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Ziele setzen - Alternative

Ziele setzen: Eine neue Art, das eigene Leben zu gestalten

Wir müssen nur das richtige Ziel für uns finden, es klar formulieren und dann alles daran setzen, es zu erreichen. So einfach klingt die Anleitung zum Glücklichsein, wenn wir manchen Gurus und Selbstoptimierern zuhören. Was sie nicht sagen: Ziele bringen oft mehr Leid als Freude und es gibt einen besseren Weg, um erfüllt zu leben, als Zielen hinterherzujagen.

INHALT

Meine persönliche Geschichte mit Zielen

Meine Beziehung zu Zielen ist ambivalent. Lange Zeit war mein Leben klar auf Ziele ausgerichtet und ich habe einen Haken an sie nach dem anderen gesetzt. Kurz hat mich der Erfolg glücklich gemacht, aber von Dauer war das Gefühl nie.

Und dann sind da die vielen Träume, die zu Zielen wurden, die mich gefangen gehalten haben in Strukturen, in denen ich mich längst nicht mehr wohlgefühlt habe, die mir ein konstanter Spiegel meiner Unzulänglichkeit waren und sich mit jedem Schritt, den ich auf sie zu getan habe, einen Schritt von mir weg bewegt haben.

Ziele können verzaubern und verletzen,
beflügeln und beschränken,
antreiben und aufreiben.

Heute bin ich der Meinung: Ziele sind weder gut noch schlecht. Sie sind Werkzeuge und wie so vieles kommt es darauf an, wie wir sie einsetzen, um zu beurteilen, ob sie für uns gut oder schlecht sind.

Wann Ziele schädlich sind

Stell dir vor, du hast dir vorgenommen, dich selbstständig zu machen. Du hast dich vorbereitet, aber nach einigen Monaten bleiben die Kunden aus und du gerätst in finanzielle Schwierigkeiten. Du zweifelst an deiner Entscheidung, aber machst weiter.

Du nimmst einen Kredit auf, ohne den du deine Unternehmung hättest schließen müssen. Mittlerweile hast du einen tieferen Einblick in deine Branche gewonnen und dich beschleicht immer mehr das Gefühl, dass das eigentlich nicht dein Ding ist. Aber du willst jetzt nicht aufgeben, denn das wäre eine Niederlage – vor dir und deinen Freunden. Tatsächlich fängt sich dein Business wieder und deine wirtschaftliche Lage stabilisiert sich.

Da kommt ein spannendes und lukratives Jobangebot in dein Postfach. Eigentlich genau das, was du früher immer machen wolltest. Aber jetzt willst du nicht alles hinwerfen, was du dir mühsam aufgebaut hast, obwohl die Chance schon reizvoll wäre… Schließlich erreichst du deinen ersten großen Meilenstein. Du freust dich zunächst über deinen Erfolg, aber schnell bist du wieder im Alltagstrott und steuerst schon auf dein nächstes Ziel zu.

Das Beispiel zeigt, glücklich machen Ziele nicht unbedingt. Sie können sogar eher Hindernisse auf dem Weg zum persönlichen Glück sein.

  • Ziele schränken das Blickfeld ein: Wer sich einmal ein Ziel gesetzt hat, droht an einem einmal gefassten Plan festzuhalten und damit Chancen zu verpassen, die vielleicht viel besser zu ihm passen würden.
  • Ziele öffnen Tür und Tor für Selbstabwertung: Viele knüpfen ihr Selbstwertgefühl an das Erreichen eines Ziels und reagieren mit Scham, Enttäuschung und Schuldgefühlen, wenn sie es nicht erreichen. Ein erstes Scheitern kann so schmerzlich empfunden werden, dass kein weiterer Versuch unternommen wird.
  • Ziele werden als magische Problemlöser betrachtet: Manchmal fassen wir Ziele, in der Hoffnung, dass sich damit andere Probleme automatisch mitlösen. Statt uns direkt um Lösungen zu bemühen, projizieren wir in die Ziele alle unsere Wünsche an ein besseres Leben. Mit ein paar Kilos weniger auf der Waage ist plötzlich auch der Traumpartner ganz nah und im Job läuft es dann sicher auch besser, da man ja selbstbewusster ist. Ach, das ganze Leben…
  • Ziele stehlen Achtsamkeit für den Augenblick: Wer einmal Blut geleckt hat, kann süchtig werden. Das euphorisierende Gefühl ein Ziel mit Anstrengung erreicht zu haben, motiviert uns – kann aber auch dazu führen, dass wir von einem Ziel zum nächsten hetzen und immer nur halb in der Gegenwart leben. Mit unserem halben Herzen und Gedanken sind wir bereits in der Zukunft bei unserem Ziel.

Für mich ist die Lösung nicht, mir einfach gar keine Ziele mehr zu setzen. Das wäre so, als würde ich sagen: Ich stelle das Essen ein, ich könnte Übergewicht entwickeln.

Wie wir stattdessen mit Zielen umgehen könnten

  • Ziele als Richtungsweiser: Ich betrachte Ziele als Richtungsweiser und weniger als feste Destinationen, an denen ich ankommen muss. Ziele helfen mir, in eine Richtung loszugehen mit einem guten Gefühl und in dem Wissen, mit mir in Einklang zu sein.
  • Flexibel bleiben: Wenn ich unterwegs feststelle, dass ich meine Werte und meine Bedürfnisse auf andere Weise besser leben kann, korrigiere ich den Kurs und setze ein neues Ziel. Entscheidend ist die Wirkung des Ziels in der Gegenwart.
  • Gefühl statt Ereignis: Wie will ich mich fühlen? Wir verbinden mit unseren zielen ein neues Lebensgefühl. Deswegen streben wir es an. Doch dieses Gefühl können wir bereits jetzt in uns hervorrufen. Denn es ist nicht exklusiv an unser Ziel gebunden. Das Prinzip von Danielle LaPorte hilft, den Fokus auf dem Hier und Jetzt zu halten und das eigene Lebensglück nicht auf morgen zu verschieben.
  • Innehalten: Regelmäßig prüfe ich, ob mir mein Ziel noch dient oder ich mich schon zum Sklaven meines Ziels gemacht habe. Ich würdige, was ich bereits erreicht habe und suche das Gute im gegenwärtigen Moment, das meine Wertschätzung verdient.
  • Selbstmitgefühl: Bei Niederlagen und Widrigkeiten halte ich weder krampfhaft am Kurs fest noch lasse ich einfach alles los. Ich versuche das Gefühl da sein zu lassen, es zu (aus-) zu halten, es anzuschauen – und mit Abstand herauszufinden, wie sehr ich meine mentalen Muskeln trainieren und gegen den Widerstand weitergehen will und wann es Zeit ist, eine neue Richtung zu wählen.

Die Quintessenz ist vielleicht diese: Ziele sind für mich nicht mehr das Allerwichtigste. Sie sind Mittel zum Zweck. Mittel, um ein erfülltes Leben zu führen, das in Einklang mit meinen Werten ist, mich lebendig macht und mich mit stillen Glück erfüllt.

Eine Alternative zu Zielen

Die besten Ziele sind die, die man nie wirklich erreicht, sagt Gerald Hüther in seinem Buch “Wie Träume wahr werden”*. Es sind Anliegen, an denen man sein Leben ausrichtet. Ein Ziel ist es, Geschäftsführer zu werden, ein Anliegen ist es, ökologische Lebensmittel für jeden in Deutschland erschwinglich zu machen. Ein Ziel ist es 10 Kilo abzunehmen. Ein Anliegen ist es dagegen, einen gesunden und leistungsfähigen Körper zu haben. Ein Ziel ist es, ein Buch zu schreiben. Ein Anliegen ist es, Menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu inspirieren.

Es gibt viele Wege, Anliegen zu leben. Dass man in manche Sackgassen hinein läuft, ist gar nicht so wichtig. Man darf sich sicher sein, dass es genug andere Wege gibt, die es auch wert sind begangen zu werden.

Statt mir konkrete Ziele zu setzen, wie ich gerade ein Anliegen mit Leben füllen möchte, bin ich dazu übergegangen mir Gewohnheiten zu überlegen, die dazu beitragen, dass ich in die für mich richtige Richtung gehe. Denn am Ende braucht es viele kleine regelmäßige Schritte, um etwas zu erreichen – ob es etwas Materielles ist oder etwas Immaterielles wie ein Lebensgefühl, ein Leben nach den eigenen Werten oder ein Lebensstil ist.

Gewohnheiten sind in Handlungen kondensierte (Facetten von) Anliegen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass du sie regelmäßig, am besten jeden Tag, praktizierst. Es gibt unzählige Hinweise, wie man gute Gewohnheiten etabliert. Manche Tipps passen, manche passen nur für andere. Ausprobieren ist auch hier der einzige Weg vorwärts.

Welche und wenn ja, wie viele?

Der Wille ist da, es noch einmal mit Ziele (oder Gewohnheiten oder Anliegen) zu versuchen. Auf eine neue, entspanntere, menschenfreundlichere Art. Ehe früher als später kommen dann die praktischen Fragen auf: Wie viele Ziele sind denn nun sinnvoll? Welche Fehler sollte man vermeiden? Wie groß oder klein sollte ein Ziel sein?

Du ahnst es bereits: Es gibt viele verschiedene Antworten darauf und viele funktionierende Vorgehensweisen.

Statt dich mit Argumenten für die eine oder andere Vorgehensweise zu bewerfen, lass mich ein paar Herangehensweisen vorstellen, die für viele Menschen funktionieren – und du prüfst selbst, welchem Ansatz du eine Chance geben magst:

  • Eine neue Gewohnheit pro Monat – empfiehlt/empfahl Leo Babauta von zenhabits
  • Ein Fokus Wert pro Halbjahr, maximal drei konkrete Ziele pro Halbjahr – empfehlen zum Beispiel die Macher des 7Mind-Achtsamkeitsplaners
  • Ein neues Ziel pro Lebensbereich (bei 5-6 Lebensbereichen)
  • Ein Kerngefühl für das Jahr und für die aktuelle Woche – Danielle Laportes Ansatz der Core Desired Feelings*
  • Drei Ziele pro Jahr

Quintessenz: Weniger ist mehr.

Ambitioniert ist gut, aber wenn du permanent an deinen Erwartungen scheiterst, dann landest du ganz schnell in einer Frustrationsfalle. Achte außerdem auf eine Balance. Es ist in Ordnung den eigenen Fokus zeitweise ganz auf ein Anliegen zu fokussieren, doch es sollte nicht dazu führen, dass du dauerhaft andere Lebensbereiche vernachlässigst. Wir Menschen sind nun mal vieldimensionale Wesen und unser Leben läuft dann am besten, wenn wir den vielen Dimensionen ausreichend Aufmerksamkeit schenken.

Was ist der größte Fehler?

Einer der größten Fehler beim Versuch einen entspannten Umgang mit Zielen zu pflegen und gleichzeitig Erfolge zu erleben, ist es unterwegs nicht zu reflektieren. Es gehört dazu, dass wir uns voll in den Prozess vertiefen. Es ist gut und wichtig, die Metaebene, die Beobachterrolle zu verlassen, aber es ist genauso wichtig, regelmäßig Abstand zu nehmen und die Richtung zu prüfen.

Die meisten Journals planen deswegen monatliche Rückblicke ein und haben extra Seiten dafür reserviert. Für das Ziele setzen und die Reflexion.

Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor?

Das menschliche Gehirn braucht eine intensive Auseinandersetzung mit einem Ziel, um es zu verinnerlichen und dann auch gegen Widerstände zu erreichen. Nicht es bis zur Selbstversklavung zu verfolgen, sondern einfach dranzubleiben, weil Schwierigkeiten zum Leben gehören.

Der größte Erfolgsfaktor ist ein sehr unspektakulärer. Du ahnst es vielleicht: Schreib deine Ziele (Anliegen, Gewohnheitsvorhaben) auf!

Studien haben festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit ein Ziel zu erreichen, dramatisch steigt, wenn wir es schriftlich festhalten. Wenn du dann zusätzlich hin und wieder schriftlich reflektierst, was gut gelaufen ist, ob du dich noch identifizierst mit deinem Anliegen und wie du in Zukunft weitermachen willst, dann wird es dir immer besser gelingen, deine Ziele zu erreichen bzw. dich wirksam für ein Anliegen einzusetzen.

Und das wiederum veranlasst dein Gehirn dazu, mehr motivierende und glückserzeugende Botenstoffe auszuschütten. Denn immer wenn uns etwas gelingt, unterstützt uns unser Gehirn auf diese Weise, damit wir mehr davon machen.

Es scheint ganz so, als sei die Biologie darauf aus, uns gute Erlebnisse zu bescheren. Wenn wir ein bisschen mithelfen. Zum Beispiel, indem wir uns Stift und Papier zur Hand nehmen und uns mal wirklich überlegen, was uns wichtig ist und was wir mit unserer Zeit hier auf dem Planeten Gutes anfangen wollen.

Also, worauf wartest du?

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