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Ziele - ein Problem

Warum Ziele ein Problem sind

Wer keine Ziele im Leben hat, kann sich direkt unter die Brücke legen oder von selbiger springen. Den Eindruck kann man gewinnen in unserer zielbesessenen Gesellschaft. Dabei sind Ziele alles anderes als die makellosen Heilsbringer, als die sie uns verkauft werden.

Für Ziele gilt das Nutella-Phänomen: In Maßen ein echter Genuss, im Übermaß schädlich. Gut, Nutella ist grundsätzlich keine so wertvolle Angelegenheit, aber du verstehst das Prinzip.

Auf den ersten Blick haben sie Recht, die Zieladvokaten, die am liebsten jede Minute unseres Tages fest verplanen und auf einen Masterplan ausrichten würden. Die uns einreden, die Grenzen des Erreichbaren bestehen nur in unserem Kopf und wir können alles schaffen, wenn wir nur mit Plan vorgehen und ans uns glauben.

Warum Ziele eine feine Sache sind:

  • Ziele richten unseren Fokus aus und schützen vor Reizüberflutung: Wir haben im Leben gefühlt tausend Optionen. Ohne Ziel enden wir schnell wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir verfallen in Schockstarre und machen gar nichts. Das ist auch keine Lösung.
  • Ziele setzen Energie frei: Die magische Kraft von Zielen ist es, einen trägen Körper von der Coach zu befördern und zu stundenlangem, glücklich-versunkenem Tun zu motivieren. Wir haben viel mehr Energieressourcen, als wir meinen…
  • Ziele trainieren Durchhaltevermögen: Klar ist, dass wir vor allem bei größeren Zielen etwas Zeit brauchen, um sie zu erreichen und innere Widerstände uns ganz zwangsläufig auf diesem Weg begegnen. Wer sich im Privaten regelmäßig kleine und größere Ziele setzt, hat eine Übungsmatte, um seine Willenskraft zu einer Pflanze erstaunlichen Ausmaßes zu züchten.
  • Ziele beweisen uns Selbstwirksamkeit: Endlich am Ziel streichen wir die Belohnung ein: Wir machen die Erfahrung, dass wir aus Nichts (einer Idee in unserem Kopf) etwas erschaffen können (eine neue reale Erfahrung, vielleicht sogar ein konkretes Werk). Wir lernen, dass wir Schöpfer sind und unser Leben selbst formen. Ein Fest für Glückshormone und eine Wohltat für jedes angekratzte Selbstwertgefühl.
  • Ziele geben uns eine positive Zukunftsperspektive: Ist der Alltag zurzeit grau schattiert und sind die Lebensumstände bescheiden, das passende Ziel gibt uns die Fähigkeit über den aktuellen Zustand hinaus in die Zukunft zu blicken und hilft uns, widrige Situationen zu überstehen.

Das ist die eine Seite der Ziele. Doch Ziele sind Potemkinsche Dörfer. Hinter der schicken Fassade tun sich Moder und Verfall auf. Wir sind alle schon einmal losgegangen auf dem Weg, ein Ziel zu erreichen und mussten auf der Mitte der Strecke feststellen, dass wir uns verlaufen haben, mit falschem Schuhwerk unterwegs sind oder gar keine Lust mehr auf unsere Destination haben.  

Warum Ziele ein Problem sind:

  • Ziele engen unseren Blick ein: Wir vernachlässigen, was nicht “Marathonteilnahme” “Zuckerfreiheit” oder “Beförderung” dient und wundern uns am Ende, wo denn unser Partner hin und wo unsere gute Laune geblieben ist.
  • Ziele setzen uns unter Druck: Wir wollen uns beweisen, dass wir etwas leisten können, was für uns von Wert ist. Das heißt auch: Scheitern ist keine Option. Denn es bedroht unsere Existenz. Zumindest unsere emotionale, unser Selbstwertgefühl. Das setzt uns einem Leistungsdruck aus, der so subtil er ist, doch olympisches Niveau annehmen kann.
  • Ziele machen uns zum Sklaven eigener Strukturen: Wo einst die Freiheit des Feierabends lag, herrscht nun militärische Ordnung. Denn ohne Planung und kontinuierliches Tun, keine Zielerreichung. Umentscheiden gilt nicht, denn das wäre ein Scheitern. Also machen wir weiter, bis zum bitteren Ende.
  • Ziele gaukeln uns eine falsche Kontrolle vor: Wir können viel planen und beeinflussen im Leben, aber nicht alles kontrollieren. Egal, wie viel wir tun, vielleicht erreichen wir unser Ziel nicht. Es ist eine Illusion, dass wir glauben, Systeme erschaffen zu können, mit denen wir unsere Zukunft sicher von der Idee zur Realität bringen. Oft lernen wir das erst, wenn uns unvorhergesehene Ereignisse den Weg zum Erfolg versperren.
  • Ziele zehren an unseren Kräften: Jede Reise kostet Kraft. Manchmal sind wir bereits mit unserem ganz normalen Alltag bis an die Grenzen ausgelastet, aber weil es schick ist und uns mehr Lebensglück verspricht, bürden wir uns noch eine neue Routine auf, um ein Ziel zu erreichen, das gerade drei Nummern zu groß für uns ist.
  • Ziele verschieben Glück und Zufriedenheit in die Zukunft: Ziele sind ein Eingeständnis. Wir mögen es nicht, wie es gerade läuft. Wir wollen etwas Besseres. Das Ziel schreit unsere Unzufriedenheit heraus. Mit jedem Schritt, den wir darauf hinstreben, sagen wir uns selbst: Das Glück kommt später, das Glück wartet hinter der Ziellinie.
  • Ziele verschließen uns vor Möglichkeiten: Manchmal lädt uns das Leben zu ungeahnten Abenteuern ein. Leider sind wir oft zu erfolgsorientiert, um von unserem bisherigen Kurs abzuweichen. Du hast geplant, zu trainieren, da wirst du spontan zu einem Treffen eingeladen? Du wolltest im Juni in Urlaub fahren, aber jetzt kommt ein spannendes Projekt rein? Unser Lebensglück wartet nicht immer da, wo wir es im Vorfeld vermuten.  

Nein, Ziele sind nicht die Universallösung für unsere Probleme, wie uns das die Coaching-Industrie gerne weismachen will. Ziele sind nicht die Glückspille ohne Nebenwirkung, von der wir so lange geträumt haben. Aber Ziele sind auch nicht das Teufelszeug, von dem wir um unser Lebensglück willen Abstand halten sollten. Ziele sind ein zweischneidiges Schwert und es kommt darauf an, den richtigen Umgang mit ihm zu lernen.

Wie das gelingt? Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag. Der hat dann auch wieder mit Schreiben zu tun. 

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