Home » Blog » Oliver Domröse: “Schreiben als Therapeutikum wirkt”

Oliver Domröse: “Schreiben als Therapeutikum wirkt”

Bloggen ist für viele Menschen nicht nur ein Weg, Wissen weiterzugeben, sondern auch ein Mittel, um in einer persönlichen Krise neue Perspektiven zu finden und die eigene Entwicklung voranzutreiben. Auch Oliver Domröse begann mit simplyfeelit als “Krisenblogger”. Mittlerweile bloggt er seit drei Jahren und (das Schreiben) hat sein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt.

Das Interview fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen der Artikel, die zuletzt auf dem Blog erschienen sind. Der Grund ist simpel: Es war geplant als Teil der  Reihe “zum Glück gebloggt”, die ich in der Anfangszeit dieses Blogs gestartet habe. Andere Blogger, die ich damals interviewt habe, waren Mischa von Adios Angst, Tanja Salkowski  von Radio Sonnengrau oder Tim Chimoy vom Citizen Circle. Aus verschiedenen Gründen hat es etwas länger (rund 2 Jahre) gebraucht, bis das Interview mit Oliver zustande gekommen ist. Da es ein klassischer Fall von “Gut Ding will Weile haben” ist, möchte ich es mit euch teilen und damit das Interviewformat auf dem Blog wiederbeleben. Demnächst gibt es dann neue, wenn auch etwas andere Interviews über das Schreiben…

Interview mit Oliver Domröse von simplyfeelit

Oliver, wie würdest du deine Krise beschreiben, die dich zum Bloggen geführt hat?

Um es gleich direkt und ehrlich zu sagen: Als männliche Identitätskrise!

Ich hatte keine wirkliche Vision im Leben. Seit Jahren war ich auf der Suche. Ich wusste nur, was ich nicht mehr wollte (nämlich einen „geregelten“ 40-Stunden- Job). Seit der Rückkehr von meiner beruflichen Auszeit im Jahr 2012 war ich am Grübeln und Überlegen über was ich Schreiben sollte. Die Idee des Schreibens verspürte ich nämlich schon länger in mir. Doch war sie blockiert, und mir fehlte einfach der Mut, es zu machen (was sicherlich auch mit gesellschaftlichen Prägungen und Konventionen zusammenhing. A là brotlose Kunst, Träumerei, Spinnerei und einen anständigen und sicheren Beruf ausüben).

Außerdem fehlte mir ein Thema, für das ich länger als nur ein paar Wochen brannte. Genauer gesagt, hatte ich zu viele Interessen und Leidenschaften und wusste nicht, wie ich die alle unter einem Hut bringen sollte. Hinzu kamen meine Probleme, genauer gesagt, meine Abhängigkeiten mit Frauen, und 2014 wurde ich nach 6 Wochen von einer dieser Damen verlassen. Nun war ich den Sommer über völlig orientierungslos: keine Perspektive, kein Ziel, kein Job, keine Freundin.

Die ganze Situation ließ mich in ein tiefes seelisches Loch fallen. Das einzig Gute daran war, dass ich nun viel Zeit hatte. So surfte ich viel im Netz herum und stieß (erneut) auf den Begriff Hochsensibilität. Ich bestellte mir ein Buch dazu. Das war mein Durchbruch, meine Initialzündung. Allen voran in Sachen Selbstverständnis. Unglaublich viele Aha und Verständniserlebnisse hatte ich beim Lesen. Nun verstand ich nicht nur, das ich nicht verkehrt oder irgendwie krank war mit meiner Feinfühligkeit (als Mann!), sondern hatte obendrein auch noch ein Thema zum Schreiben gefunden. Langsam zog ich mich aus dem Sumpf der Lethargie heraus, lernte über den Herbst wie man einen Blog eröffnet und arbeitete viele, viele Stunden an meinem Blogdesign und meinen ersten Artikel. Im April 2015 war es dann soweit: simplyfeelit.de erblickte das Licht der Welt.

Jeder kennt wohl die Angst davor, den Veröffentlichen-Button zu klicken. Was gibt dir den Mut, auch persönliche Gedanken und Gefühle mit einer nicht absehbaren Zahl unbekannter Menschen im Netz zu teilen?

Das ist eine gute Frage. Soll ich dir was verraten: Noch bis vor 3,5 Jahren hätte ich mir dieses Preisgeben meiner ganz persönlichen Gefühle und Gedanken in solch einem öffentlichen Raum niemals vorstellen können. Ich war noch nicht mal bei Facebook angemeldet (oder nur mit einem Künstlernamen). Entsprechend fiel es mir am Anfang schwer – und bisweilen heute noch.

Wo verläuft die Grenze zwischen einer egomanen Nabelschau, die keinen Leser auf Dauer anspricht, und einer echten Authentizität?

Ich glaube, es geht um Resonanz und ein menschliches Grundbedürfnis (zu dem ich gleich noch komme). Nachdem ich meinen ersten sehr persönlichen Artikel veröffentlicht hatte, bemerkte ich, dass ich mit meinen Sorgen, Gefühlen und Herausforderungen nicht alleine bin. Dass es da draußen, in den Weiten des Internets und der Welt, noch einige andere gibt, denen es ähnlich geht. Nicht nur das. Denen ich sogar aufgrund meiner Offenheit ein wenig Mut oder Inspiration für ihren Weg mitgeben konnte. Das freute mich einerseits für die Leute, gab mir andererseits aber auch etwas zurück: Sinn!

Wir Menschen sind von unserer evolutionären Entwicklung jahrtausendelang in Kleingruppen aufgewachsen. Darin hatte jeder seine Aufgabe, die ihn meist auch einen gewissen Sinn und eine Befriedigung verschaffte. Er fühle sich als Teil der Gruppe, mit seinem Talent oder seiner Tätigkeit wurde er gebraucht. Genau das habe ich jahrelang in meinen Tätigkeiten vermisst und seit jeher gesucht. Und mit dem Bloggen und Schreiben glaube ich diese Aufgabe nun gefunden zu haben! Es hat einige Zeit gedauert, bis mir das so bewusst wurde, aber heute weiß ich, dass mir das Schreiben Sinn und Freude bereitet. Weil ich durch die Rückmeldungen meiner Leser weiß, dass ich in gewisser Weise gebraucht werde. Zumindest ihnen einen Mehrwert liefere, sie zum Nachdenken anrege oder einfach nur berühre. Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung und des Internets schreibe ich zwar für eine, wie du richtig sagst, eine nicht überschaubare Zahl von Menschen, aber trotzdem fühle ich mich einer gewissen Gruppe zugehörig. Einem globalen Dorf sozusagen. Menschen, die an bestimmten Punkten in ihrem Leben stehen, wo ich einst stand oder stehe, und denen ich durch meine Texte ein wenig Mut, Hilfestellung und Inspiration geben kann. Und von denen ich umgekehrt mindestens genauso viel lerne, wie sie mitunter von mir. Es ist eine Art Co-Kreation, ein wechselseitiger Prozess.

Die innere Freude und vor allem Sinnhaftigkeit die daraus zu mir zurückfließt, lässt mich immer wieder aufs Neue auf den Veröffentlichen Button drücken – auch wenn ich mich bis heute manchmal dazu überwinden muss. Im Nachhinein wurden dies dann aber meist die besten und erfolgreichsten Artikel.

Was sind 3 Dinge, die du durch das Bloggen gelernt hast, die du nicht erwartet hattest?

1. Lebensfreude: Durch das selbstbestimmte Arbeiten, das zu machen, was mir Freude bereitet, und damit sogar noch andere Menschen zu bereichern, erlebe ich mich in einem sinnhaften Kontext eingebunden. Zu Beginn hätte ich das in dieser Ausprägung nicht erwartet. Ich erlebe wie meine Tätigkeit als Autor und Blogger etwas bewirkt, einen kleinen Unterschied macht. Einen Lebenssinn zu haben, zu wissen, wofür man geht im Leben, brauchen wir alle, um ein glückliches und erfülltes Leben führen zu können. Aber eben nicht nur für sich, sondern in Form eines Beitrags für die Gemeinschaft. Wie erwähnt, Menschen wollen gebraucht werden, um sich glücklich zu fühlen. Man könnte es auch als eine Art Dienen bezeichnen (auch wenn dieses Wort in unserer Zeit ziemlich verpönt ist).

2. Durchhaltevermögen: Das hatte ich schon immer, aber durch das Bloggen wurde es noch einmal auf eine ganz neue Probe gestellt. Ich wusste schon, dass der Aufbau eines Blogs immens viel Arbeit bedeutet. Hier berühren wir wieder den ersten Punkt mit der Freude und dem Sinn. All die unzähligen Stunden und auch schlaflosen Nächste am Laptop habe ich deswegen durchgestanden, weil ich ein Ziel vor Augen hatte, eine Mission.Weil ich mich radikal für diesen Weg entschieden hatte. Mich dem ganz hingegeben habe und dafür einiges anderes aufgegeben habe. Ich traf eine Entscheidung! Es gab keine Alternative, alle Hintertürchen waren geschlossen (außer lebenslang in Niedriglohnjobs herum eiern). Wie erwähnt, sah ich mit der Zeit, dass meine Arbeit nicht „umsonst“ ist, sondern etwas bewirkt. Das hat in mir ein Durchhaltevermögen hervorgerufen, das ich so nicht kannte.

3. Kritikfähigkeit: Auch wenn die überwiegende Mehrzahl der Rückmeldungen auf meine Artikel und Texte positiv ist, gab es natürlich mit wachsender Bekanntheit auch kritische Rückmeldungen. Was zu dem Geschäft dazu gehört und ich auch völlig ok finde. Leider ist es heutzutage so, dass es im Netz unsachliche, polemische und sogar beleidigende Kritiker („Hater“) gibt. In Zeiten des Internetzeitalters kann man sich gut hinter einem Pseudonym verstecken und aus dieser Anonymität seine Frust- und Hasspfeile auf andere abschießen. In den letzten 3 Jahren habe ich hier einen Lernprozess durchlaufen. Und versuche mittlerweile zwischen sachlicher und wohlwollender Kritik zu unterscheiden (für die ich immer offen bin und sogar ein Thema von einer anderen Perspektive beleuchtet), und jenen Leuten, die auf persönliche Angriffe oder Provokation aus sind (die nahezu immer mit eigener Unzufriedenheit zusammenhängt). Bei Letzteren bin ich inzwischen ziemlich konsequent, weil ich lernte musste, dass ein konstruktiver Austausch mit solchen Menschen nicht möglich ist – und sie im Grunde auch gar nicht wollen.

Was ist oder war das schwierigste am Bloggen und was ist deine Strategie mit der Herausforderung umzugehen?

Prokrastination! Bis heute ist es so, dass ich vor jedem Gang zum Schreibtisch spüre, wie mein System plötzlich anfängt, noch alles Mögliche erledigen zu wollen (z.B. Abwasch, Staubsaugen oder dieses coole Magazin noch zu lesen). Auch als ich mich hinsetzte, um diesen Fragebogen zu beantworten, erging es mir so.

Meine Strategie, damit umzugehen?

Zum einen hilft mir erneut zu wissen, warum ich mich hinsetze und schreibe, mein Ziel also vor Augen zu haben. Auch wenn es mitunter anstrengend ist und ich Angst habe, nichts aufs Papier zu bekommen. Zum anderen, es „einfach“ zu tun. Den leichten Widerstand in sich zu spüren (ach viel lieber würde ich jetzt lesen), ihm nicht nachzugeben und stattdessen sich an den Schreibtisch zu setzen – und sitzen bleiben! Bis das Tagesziel erreicht ist. Danach fühle ich mich gleich dreifach gut: Ich war produktiv, habe mein Tagesziel erreicht und meinem inneren Schweinehund nicht nachgegeben. Man kennt das vom Bergsteigen: Der Kaiserschmarrn schmeckt auf 2.000 Meter besser als im Tal.

Vor welcher falschen Erwartung möchtest du Leser warnen, die Bloggen nutzen wollen, um sich aus einer Krise zu befreien oder um ihre psychische Gesundheit zu verbessern?

Werde dir darüber absolut bewusst, für was oder warum du Bloggen möchtest. Ist es nur, um dir deine Ängste, Zweifel und Erkenntnisse von der Seele zu schreiben, um diese anschließend mit anderen zu teilen? Oder willst du dir ein tragfähiges Business mit deiner Authentizität aufbauen? Damit also eines Tages Geld verdienen. Dann musst du die Sache von Beginn an ganz anders aufzuziehen. Nur das runter schreiben reicht nicht. Natürlich kenne ich Beispiele von Bloggern, die ohne große Erwartungen einfach angefangen zu schreiben und heute ein erfolgreiches Business haben. Im Grunde war es ja ganz ähnlich bei mir und meinen ersten Artikeln.

Was ich aus meiner dreijährigen Erfahrung sagen möchte ist, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen einem „Hobbyblog“ und einem professionell ausgerichteten Blog gibt. Ein professioneller Blog erfordert erheblich mehr persönlichen und zeitlichen Aufwand. Du brauchst viel Geduld, bist du dir damit ein tragfähiges Einkommen generieren kannst (mindestens 2-3 Jahre würde ich heute sagen). Damit möchte ich nicht sagen, dass Schreiben als „Therapeutikum“ nicht wirkt. Ganz im Gegenteil. Ich habe es ja selbst erfahren, welche Entwicklung ich in den letzten Jahren durch das regelmäßigen Schreiben (Tagebuch!) und Bloggen durchlaufen habe.

Vor was ich warnen möchte sind zwei Dinge: Glaube nicht an schnelle Erfolge, wenn du dir ein Blogbusiness aufbauen willst (auch wenn es da draußen immer noch jede Menge Leute gibt, die dir das verkaufen wollen). Natürlich kann es sein, dass du schnelle Erfolge hast. Die Frage ist, wie langfristig sie sind! Ich bin ein Freund von organischem, langsamen, substantiellen Wachstum.

Und, was den psychischen Aspekt angeht: Über seine Gefühle und Ängste zu schreiben kann ein großes Hilfsmittel zu einer Genesung sein, weil man aus dem eigenen „Elfenbeinturm“ herauskommt und erkennt, dass man nicht alleine mit seinen Ängsten ist. Den Mut hat, es zu teilen. Aber bei gewissen Krisen oder Indikationen (Erkrankungen) hilft schreiben alleine nicht. Sondern nur ein ausgebildeter Therapeut. Du kannst beides nutzen: Schreiben und Therapie! Ganz nebenbei bemerkt: Es ist heute wirklich keine „Schande“ mehr, sich psychologische Unterstützung zu holen. Leider ist es gesellschaftlich oftmals noch tabuisiert, sich einzugestehen, dass man es alleine nicht mehr schafft (auch wenn es in dieser Hinsicht seit einiger Zeit einen offeneren Umgang gibt).

Wie gehst du mit Selbstzweifeln, allgemein und beim Schreiben, um?

Nun. Da möchte ich gleich an meinem vorherigen Absatz anknüpfen und als „gutes Beispiel“ vorangehen. Wenn die Selbstzweifel zu stark werden, dass sie mich fast vollständig auffressen, hole ich mir professionelle Unterstützung. Eine objektive Einschätzung von außen, die meist ganz anders ausfällt, als es mir mein innerer Kritiker weis machen möchte.

Glücklicherweise ist es aber so, dass ich seit Jahren auf meinem Entwicklungsweg bin und mich seit frühester Jugend für Psychologie interessiere. Das heißt, ich habe relativ früh erkannt und verstanden, woher diese Selbstzweifel rühren und welche Gegenmittel mir wirklich helfen. In dieser Hinsicht haben mich auch insbesondere in den letzten 3 Jahren Intensivseminare zur Persönlichkeitsentwicklung weiter gebracht.

Wie gehe ich nun im konkreten Fall damit um? Ich akzeptiere den Zweifel!

Mir der Zeit habe ich beobachtet, wenn ich stark gegen den Zweifel ankämpfe, den gerade nicht haben möchte, dass er sich verstärkt. Wenn ich ihn dagegen als Teil von mir, des Lebens, des Augenblicks anerkenne und erkenne, dass er nicht von Dauer ist, solange ich mich nicht komplett damit identifiziere, dass er dann irgendwann wieder verschwindet (und sicherlich auch wieder kommt). Gefühle, Emotionen, unser Körper, das ganze Leben – alles ist im stetigen Wandel. Dies hat schon Siddharta Gautama (der ursprüngliche Buddha) vor über 2.500 Jahren erkannt Und ich so langsam auch immer mehr.

Das klappt natürlich mal besser, mal schlechter (da ich noch kein Buddha bin:).
Es gibt durchaus Phasen, wo ich sehr stark an mir zweifele – oder genauer gesagt, ich den Stimmen in meinem Kopf zu viel Glauben schenke. Natürlich auch beim Schreiben. Was ich dann oftmals mache ist, vor die Tür zu gehen. Raus aus dem Kopfkino. Einen Tapetenwechsel, spazieren, ein Treffen mit einem Kumpel, ein Kinobesuch oder einfach nur ein Besuch im Café. Wichtig ist, sich von dem Strudel nicht immer weiter mitreißen zu lassen. Und mir immer wieder zu vergegenwärtigen, dass dies ein altes „Programm“ ist, das da abläuft, und ich weiß, dass ich es kann, Erfolg damit habe und andere Menschen erreiche (hierzu habe ich mir einen „Honigtopf“ angelegt, in dem ich dankende und berührende Feedbacks von meinen Lesern abspeichere).

Welcher Artikel auf deinem Blog liegt dir am meisten am Herzen und warum?

Oh, das ist schwierig hier eine Auswahl zu treffen. Weil es einige Artikel auf meinem Blog gibt, die mir am Herzen liegen. Zum Beispiel der Artikel über meinen Trennungsschmerz (wieder eine Krise) vor rund einem Jahr. Wahrscheinlich der persönlichste Artikel auf meinem Blog (hier fiel mir das Drücken auf veröffentlichen besonders schwer). Oder mein Artikel zum Wachrütteln und Nachdenken über ein konventionelles und angepasstes Leben. Wahrscheinlich der „provokanteste“ und humorvollste. Wenn du sagen würdest, ich müsste mich für einen Artikel entscheiden, würde ich meinen ersten Artikel über eine sensible und kraftvolle Männlichkeit im 21. Jahrhundert nennen: Wann ist ein Mann ein Mann? Eine Annäherung.
Warum? Weil er unmittelbar mit meiner eigenen Entwicklungsgeschichte als Mann zusammen hängt. Und ich in diesem Artikel, einer meiner ersten, den Mut hatte, so offen darüber zu sprechen – und er mir gleichzeitig im Zuge der Recherchen selbst Mut machte. Ich akzeptierte meine sensible Seite als Mann und wurde mir darüber hinaus sogar gewahr, dass diese Seite von Männlichkeit für unsere Welt dringender gebraucht wird als denn je.

Welchen Rat würdest du deinem Ich geben, das noch ganz am Anfang des Bloggerwegs steht?

Es wird ein langer Weg werden, mein Lieber, aber er der lange Atem wird sich lohnen. Werde dir vollkommen darüber bewusst, was dein inneres Warum für diesen Weg ist, deine tiefstes Motivation, die dich auch bei den größten Zweifeln (die kommen werden), nicht von deinem Weg abbringen lassen! Und dann beginne mit dem ersten Schritt. Sei diszipliniert und mache dich an die Umsetzung deines Weges. Deines Traums. Und vertraue deiner inneren (göttlichen) Führung.

Zwei Literaturtipps: einen zum Schreiben, einen zum Wachsen – welche Bücher sollte man unbedingt lesen?

Zum Schreiben, aber auch zum Wachsen (geht meist Hand in Hand): Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität, von Julia Cameron.

Zum Wachsen: … trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, von Viktor E. Frankl.

Welche Pläne hast du mit deinem Schreiben oder konkret deinem Blog?

Nun, nach 3 Jahren Aufbauarbeit mit dem Blog, nachdem ich es geschafft habe, einer der bekanntesten Blogs im Bereich Entwicklung, Sensibilität und Männlichkeit zu werden, geht es vor allem in diesem Jahr darum, dass Ganze auch finanziell langfristig tragbar zu machen (Stichwort: professioneller Blogger/Unternehmer).

Konkret heißt dass, ich plane neben meinen bisherigen zwei Büchern weitere Bücher (E-Books), außerdem Online-Kurse und ein neues Coachingangebot. Gerade habe ich ganz frisch meinen Youtube- Kanal gelauncht, schaut gerne mal vorbei. Mir bereiten Videoaufnahmen gerade viel Freude. Ein Video ist noch einmal eine ganz andere und persönlichere Wissensvermittlung, als das über einen reinen Text möglich ist.

Bei all dem, und ganz allgemein beim Schreiben, wird es mir auch zukünftig sehr daran gelegen sein, weiter authentische Texte und Produkte mit Mehrwert für meine Leser zu kreieren und gleichzeitig dabei einen Weg zu finden, damit meinen Lebensunterhalt dauerhaft zu bestreiten. Eine gute Balance aus beiden zu finden, auch darum geht es in nächster Zeit. Qualität, Ausgewogenheit, Tiefgang und Authentizität werden weiter meine Leitsterne beim Schreiben bleiben – falls sich das ändert, sagt mir umgehend Bescheid.

Naja wie viele frische Autoren, die das Schreiben als ihre Berufung erkannt haben, träume auch ich davon, eines Tages in einem großen Verlag ein Buch zu veröffentlichen. Hier habe ich es nun ausgesprochen und ans Universum abgegeben. Mal sehen, was passiert.

Wie viel Raum nimmt das Bloggen in deinem Leben ein bzw. wie hältst du dir die Zeit dafür frei?

Das Bloggen bzw. das Schreiben ist seit drei Jahren meine Haupttätigkeit. Das heißt, ich habe mich damit selbstständig gemacht. Ich kann davon aber noch nicht komplett leben, weshalb ich in den letzten Jahren diverse Mini-Jobs nebenher ausgeführt habe.

Zur Zeit ist es so, dass ich vier Tag in der Woche voll zum Schreiben und für meinen Blog haben. Die anderen Tage benötige ich für meinen Nebenjob, der mir meinen Lebensunterhalt (noch) mitfinanziert. Und mindestens einen Tag in der Woche halte ich mir für eine Laptop freie Zeit und zum Relaxen frei (außer während Intensivschreibphasen, zB. ein neues Buch). Dringende Empfehlung meinerseits, sich so einen Tag freizuhalten.

Deine wichtigsten digitalen Schreibhelfer?

Da gibt es nicht so viele. Bin da ziemlich Old-School.

Die Manuskripte für meine Bücher schreibe ich mit Open Office Writer. Seit Kurzem benutze ich Evernote zum organisieren und planen meine To-Listen oder für Recherchezwecke. Cooles Tool. Digitaler Kalender vom MacBook. Das Social-Media-Tool Buffer zum Veröffentlichen auf Instagram & Twitter, manchmal auch für Facebook. Überlege mir aber in diesem Jahr ein Autoren-Schreibprogramm wie Scrivener oder Uylsses zuzulegen.

Schreibst du auch abseits des Blogs? Was findest du dort, was du im Bloggen nicht (er-)leben kannst?

Schon ja. Kommt darauf an, was du damit meinst? Wie erwähnt, habe ich bisher zwei Bücher veröffentlicht. Das Erste – Der sanfte Krieger – gibt es auch als Taschenbuch bei Amazon. Das Zweite – Der liebende Narzisst – nur als E-Book.
Außerdem habe ich eine Reihe von Gastartikel für diverse Blogs geschrieben. Für das Online-Magazin Compassioner schreibe ich seit knapp zwei Jahren regelmäßig Gastartikel. Außerhalb der digitalen Welt, zum Beispiel in Printmedien, habe ich bisher nichts veröffentlicht, außer dass ich im Oktober 2016 im Männermagazin Men’s Health im Rahmen eines Artikels über hochsensible Männer als Experte zitiert und erwähnt wurde. Ein umfassender Blogartikel bedeutet für mich in der Regel mehr Recherche und Aufwand als für gewöhnlich bei einem Gastartikel oder ähnlichem.

Manchmal will die Kreativität einfach nicht fließen. Was ist dein Mittel gegen Schreibblockaden?

Ha, hab mich schon gewundert, warum diese Frage bisher nicht kam. 🙂

Ja, die guten alten Schreibblockaden. Jeder Schreiberling hat damit zu kämpfen und sicherlich hat jeder auch seinen eigenen Umgang damit gefunden. Spontan fällt mir dazu eine Aussage der Schriftstellerin Liane Dirks ein, bei der ich vor einigen Jahren ein Schreibseminar besuchte: „Bringt die Blockade aufs Papier!“

Was ist es genau, was mich vom Schreiben abhalten will? Welches Gefühl, welche Angst blockiert mich, lässt mich zweifeln und hadern? Spüre genau hin und dann versuche es auszusprechen, aufzuschreiben oder sogar in deinen Text mit einfließen zu lassen – das macht ihn gleich authentischer.

Allgemein ist meine Erkenntnis nach 3 Jahren des Schreibens, dass Kreativität wie ein scheues Reh ist. Umso entspannter, ruhiger, gelassener und erfüllter ich mich fühle, umso mehr fließt die Kreativität. Ich kenne ja zu gut die andere Seite, am Anfang meiner Karriere und bisweilen heute noch. Geldnot, tausend to-Do’s, emotionale Auf und Abs und schon wars das mit der Kreativität. Ich könnte auch sagen: „Einen freien Kopf haben.“ Wenn du dir ständig Gedanken um elementare Grundbedürfnisse, wie finanzielle Sicherheit, dein inneres Wohlergehen oder auch Beziehungen machen musst, wie soll da ein kreativer Impuls deinem Hirn entspringen. Es ist ja ständig auf Überlebensmodus geschaltet.

Also mein Tipp an dich: Schaffe dir eine Basis: finanziell, emotional, sozial. Und vergesse den Ausgleich nicht: Tage ohne Schreiben. Nichts tun oder das, was dir Freude bereitet, am besten keine Kopfarbeit. Ein kurzer Trip in ein anderes Land, oder nur eine andere Gegend bewirkt wahre Wunder in Sachen Ausgeglichenheit, wie ich es selbst vor kurzem erlebt habe. Und nur aus dieser Leichtigkeit und inneren Ruhe fließt wahre Kreativität, dann kann es wirklich manchmal ganz leicht gehen.

Andererseits – wie so oft gibt es zwei Seiten – möchte ich in diesem Zusammenhang dass Wort und die Tugend der Disziplin erwähnen. Wie weiter oben bereits erwähnt solltest du dir für deine Schreibzeit eine feste, ja gar heilige Zeit einplanen. Und nichts und niemand sollte dich in dieser Zeit vom Schreiben abbringen oder ablenken – außer der Weltuntergang. Diese innere Verpflichtung hilft ebenfalls deinem Geist, sich zu entfalten. Es geht auch darum, zu lernen, die Ungeduld auszuhalten. Kreativität oder Schreiben braucht Zeit, Ruhe und Raum zur Entfaltung, so meine Erfahrung.

Wenn ich zwei Stunden in dieser heiligen Zeit am Laptop sitze, und ich wirklich nichts anständiges aufs Papier bringe, klappe ich ihn zu und beschäftige mich mit was ganz anderem oder gehe raus. Manchmal kommen in solchen Momenten dann die besten kreative Geistesblitze. Deshalb trage ich meist ein Notizbuch bei mir.

Über Oliver

Oliver Domröse ist Blogger, Autor und Querdenker. Er betreibt seit 3 Jahren seinen Blog simplyfeelit, der zu den größten Persönlichkeitsblogs im deutschsprachigen Raum zählt. Hier schreibt er mit viel Herzblut und Leidenschaft über Männlichkeit, Sensibilität und Entwicklung. In seinen Büchern und Texten erfährst du etwas über eine ganzheitliche Männlichkeit, die ein offenes Herz und Rückgrat verbindet. In Kürze wird er auch Coachings anbieten.

Stell dir häufiger gute Fragen.
Als Newsletter-Abonnent erhältst du in unregelmäßigen Abständen:
  • neue Schreibimpulse
  • Einladungen zu Gewinnspielen & besonderen Aktionen
  • und Hintergrundinfos, die ich nur in geschützter Runde teile.
Hinweise zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister, statistischer Auswertung und Widerruf findest du in der Datenschutzerklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.