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Warum mehr Müssen dein Leben bereichert

Müssen ist in Verruf geraten. Wir meinen, wir müssen arbeiten. Müssen Sport machen. Müssen uns gesünder ernähren. Müssen mehr im Hier und Jetzt leben… Je mehr Müssen dieser Art wir in unser Leben bringen, desto… ja, was wird unser Leben dadurch eigentlich? Erfüllter in den seltensten Fällen. Es sei denn, wir ändern unsere Definition.

Unser Leben mag durchschnittlicher werden, geordneter, disziplinierter. Unsere Destination Glück werden wir jedenfalls verfehlen, wenn wir dem konventionellen Müssen die Herrschaft überlassen. Es sei denn, wir geben einer anderen Art von Müssen auch eine Stimme in unserem Leben. Dieses Müssens ist leiser als sein dauerpräsenter Bruder. Es begleitet uns unbemerkt. Es wartet, bis wir uns ihm widmen statt sich in den Vordergrund zu drängen.

2 Arten des Müssens

Häufig ist unser Müssen nur ein getarntes Sollte. Wir verbinden mit dem Begriff gesellschaftliche Normen. Denn ja, vielleicht wäre es gut, wenn wir mehr Sport machen. Wir sollten es tun, aber müssen? Niemand zwingt uns. Wir müssen achtsamer sein? Es täte uns und unserem Umfeld vielleicht gut, wenn wir ausgeglichener wären. Wir sollten möglicherweise etwas verändern, aber wir müssen erst einmal gar nichts. Wir reden also eher von der Diktatur des Sollte. 

Sollen ist wie Salz. Zu viel verdirbt jedes Gericht. Zu viel Sollen tötet unsere Lebensfreude.  Eine Sollte-Diät bekommt den meisten Menschen ausgesprochen gut. Wenn sie dann ihr Leben noch mit dem richtigen Müssen würzen, entsteht wahrer Genuss.

Dieses andere, meist kaum verwendete Müssen wird nicht von außen diktiert. Es ist ein unstillbarer Drang, der in deinem Inneren entspringt und einen Weg nach Außen sucht. Es sind deine Herzenswünsche, deine inneren Wahrheiten, die du viel zu lange schon unterdrückst, weil “man das nicht macht”, “du dafür zu alt/zu jung bist”, “Männer/Frauen das nicht tun”, “das jetzt zu spät ist”, “du keine Zeit hast”, “du nicht mutig/intelligent/gut genug bist”. Du weißt, welche Sätze dein vergrabenes Müssen flüstert.

Mag sein, dass du deinen inneren Müssen-Kompass über die Jahre ordentlich verbuddelt hast und gar nicht mehr genau weißt, was du ohne das ganze Sollte-Getöse von Außen eigentlich bist und willst. Dann fang doch einfach an, die Schichten abzutragen, die nicht deine sind.

Für den mentalen Putzmittelschrank

Elle Luna hat das Konzept von Müssen vs. Sollen bekannt gemacht und empfiehlt folgende Übung, die du mit Stift und Papier machen – und bei Bedarf immer mal wieder gedanklich durchgehen kannst:

1. Alte Überzeugung identifizieren

Wenn dir eine Überzeugung von dir auffällt, die dich zurückhält, stell dir die Frage: Wann habe ich davon zum ersten Mal gehört? Beispiel: Feministinnen sind nicht ernstzunehmen. Vielleicht waren deine Eltern erzkonservativ und du hast noch ihre Tischgespräche im Ohr, wie sie über deine progressive Tante gelästert haben… mag sein, dass sich da eine Überzeugung bei dir eingeprägt hat, dass Feministinnen nicht gemocht werden. → Schenk der Forschung nach dem Ursprung ein paar Minuten. Das ist nicht nur aufschlussreich, sondern hilft auch, die hinderliche Überzeugung schneller loszuwerden. Du musst dich ja nicht direkt in Freudsche Forschung ausarten.

2. Überzeugung auf den Prüfstand stellen

Frag dich anschließend: Stand heute, ist diese Überzeugung/Aussage für mich wahr? Beispiel: Mittlerweile hast du das Konzept des Feminismus selbst erfasst und findest es wichtig, auch heute noch für die Rechte von Frauen einzutreten. Du erkennst, dass diese Überzeugung für dich nicht (mehr) wahr ist. 

3. Alte Überzeugung zurücklassen

Die dritte Frage: Möchte ich an dieser Überzeugung festhalten? Beispiel: Solange dir keine akute Lebensgefahr durch dein Engagement droht, beschließt du, dass du diese Überzeugung in der Vergangenheit zurücklassen willst, da sie dich daran hindert, dich für das einzusetzen, das dir wichtig ist.

Das Beispiel ist verkürzt, aber ich hoffe, du bekommst du Idee. Die Fragen kannst du in deinen mentalen Putzmittelschrank stellen. Denn ich verspreche dir, dass dir immer wieder Überzeugungen begegnen, die du mithilfe der Fragen auf den Prüfstand stellen willst.

Irgendwann werden die Fragen weniger, weil du immer weniger Sollen in deinem Leben zulässt, aber ärgere dich nicht, wenn du nicht nach einem Wochenende alle hinderlichen Überzeugungen ausgeräumt und auch die letzten Winkel deines Unbewussten ausgeleuchtet hast.

Eine Formel zum Merken und Infos zum tiefer Eintauchen

Ich halte nichts von Formeln, aber man kann die Unterscheidung von Elle Luna im Prinzip auf folgende gedächtnisfreundliche Formel bringen:

Weniger Sollen + mehr (gutes) Müssen = Mehr Lebensqualität

Wenn dich das Konzept interessiert, schau dir das Interview mit Elle Luna an oder hol dir Elle Lunas Buch: The Crossroads of Should and Must: How to Find and Follow Your Passion.*

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4 comments

  1. Hallo Paul
    ich habe das Buch von Elle Luna gelesen und geschaut und war begeistert. Sie hat eine so wunderbar kreative Ader und es macht Freude ihren Darstellungen zu folgen.
    Eine gute Selbstwahrnehmung ist das A und O einer glücklichen Seele und ich wünsche Dir einen entspannten absichtslosen Sonntag.
    Herzliche Grüße
    Gaby

  2. Jordan says:

    Moin Paul! Ich MUSS dir einfach sagen, was für ein schöner Artikel das ist 😀
    Ich habe das Wort MÜSSEN innerhalb der letzten 2 Jahre fast ganz aus meinem Wortschatz gestrichen. Ich hatte damals einen Podcast von Curse darüber gehört, in dem er auch über die Unterschiede und den inneren Antrieb sprach. Klar, wir müssen theoretisch so gut wie gar nichts. Aber ich WILL und MÖCHTE und WERDE eine ganze Menge tun 😀
    Mittlerweile fällt es mir auch bei anderen auf, die ganz viel am Tag erledigen MÜSSEN. Ich halte mich meist davon, eine Diskussion zu starten, aber meinem Kind bringe ich den Unterschied bei 🙂
    Liebe Grüße an dich!!

  3. Lieber Paul,
    Ich habe auf meinem Blog gerade eben einen Artikel über ein Buch veröffentlicht, das ebenfalls in den mentalen Putzmittelschrank greifen lässt und mal ordentlich durchputzt. Es ist sehr provokant geschrieben und polarisiert gewaltigt. Nichts desto trotz mit Sicherheit für mich DIE Lektüre im Jahr 2018.
    Würde es dir auf jeden Fall ans Herz legen: https://gedankennomade.net/wie-wird-man-ein-uebermensch/
    Fände es sehr spannend, deine Gedanken dazu zu hören.
    Bis bald,
    Philipp

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