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Unmotiviert? Wie du ein Journal führst, wenn du es am dringendsten brauchst

Das Schwierigste am Journaling ist der Weg zum Notizbuch. Wirklich. Sobald du die ersten Worte geschrieben hast, wirst du merken….ja gar nichts mehr. Dein Hirn schaltet auf Autopilot und du kannst deine Gedanken einfach abladen. Warum fällt es uns aber so verdammt schwer, den ersten Schritt zu machen? Und wir können wir ihn trotzdem hinbekommen?

Du weißt, ich empfehle hier nur Strategien, die ich selbst getestet habe. Ich schreibe übers Journaling, weil ich an seine Wirkung glaube. Und wenn ich daran zweifle, halte ich die Klappe und warte, bis der Kopfnebel verzogen ist. Deswegen will ich dir auch ehrlich sagen:  

Journaling macht nicht immer Spaß. Jedenfalls nicht, wenn du es am nötigsten hast.

Gerade wenn unsere Gedanken und Gefühle sich verdunkelt haben und ziellos umher wabern, steht uns der Sinn meistens nicht nach schreiben. Mein Hirn wirft einen Überlebensmodus an, der bedeutet: Nicht Denken. Tot stellen und warten, bis die Gefahr vorüber ist. Mit anderen Worten: Netflix in Dauerschleife. Das ist fatal und schade um die Lebenszeit, denn die “Gefahr” würde viel schneller vorüber gehen, wenn ich es schaffen würde, mich ihr einmal zu stellen. Mit Stift und Papier.

Die Journaling-Hürde überwinden

Denn was ist überhaupt die Gefahr? Die größte lauert immer in unserem Kopf. Und in den allermeisten Fällen entpuppt sie sich bei näherem Betrachten als Scheinriese.

Wenn der Weg von der Couch zum Kühlschrank weit erscheint, fühlt sich der Weg zum Notizbuch unüberwindbar an. Was also tun?

1. Innehalten.

Schaffst du es, eine Minute lang nichts zu tun? Wirklich nichts. Setz dich hin. Schalte die Musik aus. Schaue auf keine elektronischen Geräte. Wenn du eine Pflanze auf der Fensterbank stehen hast, betrachte die Pflanze. Ist es bewölkt? Dann sieh aus dem Fenster und versuch dir die Kontur der Wolken einzuprägen. Oder du suchst dir irgendeinen anderen Gegenstand. Wahrscheinlich wirst du in kurzer Zeit irgendwo im Problemland versunken sein. Versuch, deine Gedanken und Gefühle so neugierig und distanziert zu betrachten, wie das Objekt, auf das du schaust. Statt den inneren Lärm zu übertönen, hör hin. Du wirst merken, er dreht die Lautstärke bald runter.

2. Dem Reflex widerstehen.

Wir alle kennen Juckreiz. Der kann wirklich unangenehm sein. Unser Impuls ist, sofort zu kratzen. Fakt ist aber, wenn ich mich zusammenreiße, kann ich beobachten, wie der Juckreiz seine Intensität verliert, ganz ohne mein Zutun. Das Gleiche gilt für deine Gedanken. Du wirst – wenn du wie die meisten Menschen bist – dich nicht mit deinem ganzen inneren Mist konfrontieren. Das ist nachvollziehbar, aber hinsehen lohnt sich. Man kann tatsächlich aus Scheiße Gold machen. Oder zumindest Kompost. Also, guck nochmal hin. Bleib nach der einen Minute sitzen. Wenn du magst, stell dir einen Wecker. Ein Fünf-Minuten-Date mit deiner Innenwelt. Setz dir ein Zeitfenster, das subjektiv für dich zu schaffen, aber ein wenig anspruchsvoll ist.

3. Akzeptieren.

Du hast abwechselnd Wolken und Gedanken beobachtet? Dir muss nicht gefallen, wie die Lage ist. Die innere Wetterlage. Die äußere Situation. Aber wenn du etwas verändern willst, kommst du nicht darum herum, das Hier und Jetzt zu akzeptieren. Wie willst du zum Ziel kommen, wenn du deinen Ausgangspunkt nicht kennst? Akzeptiere dein inneres Chaos, deinen Schmerz und deine Verzweiflung. Das ist einer der schwersten Schritte. Aber oft ist er nur so schwer, weil wir uns mit dem Moment verwechseln. Du bist nicht das Problem. Dein Wert bleibt von allen Problemen unberührt. Wenn du akzeptierst, dass der Moment bescheiden ist, heißt das nicht, dass du als Person Mangelware bist.

4. Transformieren.

Innehalten, Beobachten, eine Haltung von wertschätzender Akzeptanz – dieses Team überlistet auch die größten Abwehrmechanismen so weit, dass du zum Stift greifen kannst. Du spürst immer noch extremen Widerstand? Dann schreib einfach genau darüber. Führe einen schriftlichen Dialog mit dieser Stimme in dir. Ansonsten gilt: Nimm dir so wenig wie möglich vor. Zwei Minuten Gedanken abladen? Das geht immer. Vielleicht auch nur ein ehrlicher Satz. Und wenn du erstmal schreibst, werden es vielleicht zwei oder drei oder es wird eine ganze Seite, wer weiß das schon. Alles kann, nichts muss. Sobald wir anfangen, verändert sich etwas. Immer.

5. Würdigen.

Ja, noch ein Schritt fehlt. Wir loben uns viel zu selten und wundern uns dann, dass gute Gewohnheiten hinten runterfallen, sobald das Fahrwasser anspruchsvoller wird. Wenn du den Stift weglegst, dann würdige, dass du dir Zeit für dich genommen hast, du deine inneren Widerstände überwunden hast und du dir selbst ein Freund warst. Denn Freunde hören einander zu.

Es ist nicht die Zeit, die uns für das Journaling fehlt. Es ist die Angst, die uns hindert. Die Angst, uns selbst zu begegnen. Einfach so loszuschreiben, ist eine Vollbremsung auf der Autobahn unseres Alltags. Das fühlt sich nicht gut an und ist eher selbstzerstörerische als hilfreich. Nimm dir also ein paar Minuten, um einen Tempowechsel einzuleiten.

Und vergiss nicht, dass deine Angst ein Scheinriese ist und dass irgendwo zwischen all dem Dunkel und dem Chaos ein Schatz warten, von dir gehoben zu werden. Eigentlich schon gestern. Aber heute ist auch ok. Vielleicht gleich jetzt? Zwei Minuten, nur du mit dir?

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