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Journaling in der Corona-Krise

Journaling in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie ist vielleicht die beste Zeit, um (wieder) mit dem Journaling anzufangen. Schließlich hat uns die Krise aus dem Panzer unseres Alltags herausgeschleudert. Wir sind  dünnhäutiger und feinfühliger in diesen Tagen. Türen, die wir in unserem Inneren sonst verschlossen halten, lassen sich jetzt leichter öffnen. 

Draußen gibt es ohnehin nur bedrückende Nachrichten zu sehen. Warum also nicht einfach nach Innen sehen? Die Chancen stehen gut, dass du in diesen Wochen etwas Besonderes zu Papier bringst. Und damit meine ich nicht eine Schilderung der äußeren Erlebnisse, die du später in einen Bestseller verwandelst. Ich meine Notizen zu deinen Gedanken und Gefühlen, die dir persönliche Erkenntnisse bescheren und dich auf welche Art auch immer bereichern. 

INHALT

Journaling – warum gerade jetzt? 

Unser Gehirn liebt Routinen. Sie sind so schön energiesparend. Allerdings sorgen sie auch dafür, dass wir immer wieder in den gleichen Bahnen handeln – und denken. Dank des Corona-Virus sind eine Reihe von Routinen abrupt unterbrochen worden. Eine Chance ausgetretene Denkpfade zu verlassen. 

Außerdem haben wir eine Ausrede weniger: Denn wahrscheinlich verbringst du mehr Zeit als sonst zu Hause und hast alles in allem auch mehr Zeit als bisher. Sei es, weil deine Fahrt zur Arbeit entfällt oder deine Feierabend-Aktivitäten jetzt ohnehin nur noch im Wohnzimmer stattfinden. Und es braucht schon eine gewisse Muße, damit beim Journaling wirklich interessante Einsichten an die Oberfläche kommen.

Und last, not least: Schreiben kann eine beruhigende Wirkung haben und Nervenruhe können wir angesichts von Panikmache in den Medien, Hamsterkäufern und eigenen Sorgen zurzeit doch alle gut gebrauchen. 

Die zwei Schreibtypen und die Frage: Wie beginnen? 

Ich habe festgestellt, dass es zwei Gruppen von Schreibenden gibt. 

  • Typ 1: Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die ihr Notizbuch aufschlagen (lose Blätter tun es auch, das soll keine Ausrede sein), sofort den Kuli ansetzen und nach 15 Minuten aufschauen und sich wundern, wie viele Seiten sie geschrieben haben. Es strömt einfach aus dir heraus, als hätte man ein Ventil geöffnet. Kennst du das? Dann sind die Morgenseiten eine hervorragende Methode für dich. Sie funktionieren für Schreibende, die keine Startschwierigkeiten kennen. Falls du bisher kein Tagebuch geschrieben hast, probier die Morgenseiten aus. Wenn du feststellst, dass sie nichts für dich sind, gehörst du zur zweiten Gruppe Schreibender.
  • Typ 2: Ein Großteil der Menschen überkommt beim Blick in ein leeres Notizbuch kein akutes Glücksgefühl. Stattdessen fangen sie plötzlich an, ihre Wohnung zu putzen und ihre Bücher nach Farben zu sortieren. In ihrem Kopf herrscht nur noch Leere oder aber sie wissen einfach nicht, wie sie das Chaos ihrer Gedanken in einzelne Sätze zerpflücken können, wo anfangen und wie formulieren. Wenn du auch Irgendwo zwischen Schockstarre und Grübelparalyse vor deinem Notizbuch sitzt, gibt’s genug Methoden, damit auch du in Schreibbewegung kommst. 

4 Methoden, um interessante Einsichten beim Journaling zu finden

Die wichtigste Hilfe beim Journaling ist wahrscheinlich die eigene Haltung. Wenn es dir gelingt, deine Erwartungen an dein Schreiben loszulassen, dann wird es plötzlich einfach. Wenn du dir selbst glaubhaft machen kannst, dass du eben keine großen Einsichten produzieren musst, keine tolle Poesie verfassen musst und gerade auch keine Zeitverschwendung praktizierst, dann wird dich dein Schreiben positiv überraschen.

Und trotzdem kann eine Methode einen hilfreichen Rahmen geben, ein Geländer, an dem du dich in unbekannte, Gelände entlang hangeln kannst.

Meditiere

Meditation macht den Geist ruhig und entspannt, es öffnet deinen Zugang zur Intuition. Du musst nicht regelmäßig praktizieren (auch wenn ich das empfehle), schon eine einmalige angeleitete Meditation – zum Beispiel mit einer App wie Calm oder Headspace kann dich in einen entspannteren Zustand versetzen. 10 Minuten Meditation vor dem Griff zum Notizbuch können Wunder wirken.

Verwende Journaling-Impulse

Unser Gehirn hat die Eigenart, alle Fragen zu beantworten, die wir ihm stellen. Deswegen funktionieren Journal Prompts so gut. Auf dem Blog findest du Journaling-Impulse zu verschiedenen Themen, zum Beispiel zu Angst oder im Umgang mit deinem inneren Kritiker. Beide Themen könnte zurzeit ja ganz passend sein. Zugegeben, diese Methode eignet sich am besten, wenn du weißt, welches Thema dir auf dem Herzen liegt. 

Schreibe über das, was du siehst

Wenn du selbst nicht genau weißt, was jetzt gerade “dran” ist, du deine Kreativität ankurbeln oder deine Visualisierungskraft trainieren möchtest, ist das Beschreiben ein guter Einstieg. Lass deinen Blick durch deinen Raum schweifen und wähle einen Gegenstand, der dich spontan anspricht. Dann schreib über dieses Objekt, beschreibe es zuerst, aber dann lass Assoziationen aufkommen: Was verbindest du damit? Welche Erinnerungen ruft der Gegenstand hervor? Welche Gefühle verbindest du mit dem Objekt und warum? Lass dich dann von deinen Gedanken treiben. Es ist gewollt, dass der Bezug zum Ausgangsobjekt irgendwann verloren geht. Du beginnst bei einer Stehlampe, erinnerst dich an den Flohmarktbesuch mit deinem Ex-Freund und schreibst dann über deine Enttäuschung, dass er sich nie für deine Hobbies interessiert hat. So in der Art. 

Stell dir die großen Fragen des Lebens

Wann, wenn nicht jetzt? Wo dein Leben gerade unfreiwillig ausgebremst ist, ist das ein guter Zeitpunkt deine Fahrtrichtung zu überprüfen und dich mit den großen Fragen des Lebens zu beschäftigen. Was ist dir wichtig? Stimmen deinen gelebten Prioritäten mit deinen Werten überein? Lebst du dein Leben so, dass du morgen in Frieden den Löffel abgeben könntest oder ist noch ein Traum offen? Hast du, wenn du ehrlich bist, vor einiger Zeit eine falsche Abzweigung genommen? Wie kannst du wenden? Meditiere mit Stift und Papier über diese Fragen und lass dich von deinen Antworten überraschen. Und wenn du noch die richtige Frage suchst, dann findest du bestimmt eine in den 66 Lebensfragen

Was Journaling in der aktuellen Zeit NICHT sein sollte

Und weil es mittlerweile so viele Menschen gibt, die meinen, man müsse unbedingt das Beste aus dieser Krise machen und sie als Chance für die eigene Persönlichkeitsentwicklung betrachten, lass dich erinnern: Du musst gar nichts. 

Sich permanent verbessern, mehr erreichen und jede Minute produktiv nutzen zu wollen, ist kein Ausdruck von geistiger Gesundheit. Diese Art zu leben macht früher oder später unglücklich, weil sie unmenschlich ist. Das Streben nach immer Besser und immer Mehr wird von unserem Wirtschaftssystem befeuert, aber nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus Profitgier. Menschen wird bewusst das Gefühl vermittelt, sie wären mangelhaft, damit sie Dienstleistungen und Produkte kaufen, um diesen Mangel zu beheben. Und das ist schlichtweg eine Lüge: Du bist kein Mangelwesen. Du brauchst keine Erfolge sammeln, um deinen Selbstwert aufzubauen, du musst nicht perfekt sein – niemand ist das, du bist bereits gut genug, so wie du bist.

Journaling ist in meinem Verständnis nicht als Instrument der Selbstoptimierung gedacht, sondern als freundliche Art und Weise, sich selbst besser kennenzulernen, sich in schwierigen Zeiten an sich selbst festzuhalten und offen zu sein für Weisheit und Einsichten, die von einem Ort jenseits unseres bewussten Verstands kommen (nenn es Intuition, Universum, Gott …). 

Wenn dir Journaling hilft, in dieser Zeit mit ihren vielen offenen Fragen etwas gelassener und zuversichtlicher durch den Tag zu kommen, dann ist das genug. 

Stell dir häufiger gute Fragen.

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2 comments

  1. Jelena says:

    Vielen Dank für deine hilfreichen Worte in dieser anstrengenden Zeit. Besonders der letzte Teil darüber, wie man sich jetzt nicht unter Druck setzen sollte ist wahr. Alles Gute dir!

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