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Zurück in den Schreibflow: 7 Tipps, um deine Schreibblockade zu lösen

Schreiben ist wie Sport. Mach es dir zur Gewohnheit und es wird ein Kinderspiel. Fast. Wenn du deinen inneren Schweinehund gut dressiert hast, aber dein inneres Feuer darüber erloschen ist, bleibt Schreiben reine Fingerübung und die Wirkung verpufft. Was ich über das Lösen von Schreibblockaden und das Zurückfinden in den Schreibflow gelernt habe.

Warum die Schreibfreude überhaupt verloren geht

Der zweite Satz der Thermodynamik gilt auch beim Schreiben (bzw. bei der Schreibblockade). Was er besagt? Für Laien zusammengefasst: Von alleine wird alles schlechter. Danke an Roland Kopp-Wichmann, bei dem mir dieses Bild neulich begegnete. Ohne Einsatz und Willenskraft versandet jede Schreibroutine und geht jede Schreibfreude flöten.

Wir erliegen häufig dem Irrtum, dass das, was wir für uns als wertvoll und wichtig erkannt haben, uns jederzeit mit Spaß und Begeisterung erfüllen muss. Tatsächlich ist meistens jedes Vorhaben, das von größerem Wert ist zumindest zeitweise mit Anstrengung und Disziplin verbunden.

Das Heimtückische: Zuerst fällt es uns meistens gar nicht auf, dass unsere Willenskraft und unser Einsatz nachlassen. Gut, du schreibst nicht mehr jeden Tag 5 Minuten in dein Dankbarkeitsjournal, du setzt dich nur noch alle zwei Wochen daran, deinen Roman weiterzuschreiben, aber das ist eben eine stressige Phase gerade. Wir sind so kreativ, wenn es um das Finden von Ausreden geht…

Oder dir geht es wie mir, du willst ja eigentlich schreiben, aber irgendetwas hält dich davon zurück, wirklich zur Ruhe zu kommen und deine Gedanken aufs Papier zu bringen. Du fühlst dich blockiert und leer und wünschst dir, dass sich diese Schreibblockade lösen möge. Jetzt. Sofort. Von alleine.

Der erste Schritt von der Schreibblockade zur Schreibfreude

Ich hatte mich immer gefreut, meinen wöchentlichen Artikel zu schreiben. Bis zu dem Tag, an dem ich feststellte, dass ich mich seit Wochen schon nicht mehr hingesetzt hatte, um für den Blog zu schreiben. Das war der erste und vielleicht wichtigste Schritt zurück zum Schreibflow. Ehrliche Selbstreflexion.

Prüfe deine Schreibgewohnheit regelmäßig und mach dir nichts vor. Stelle wertneutral fest, wie es zurzeit mit dir und dem Schreiben läuft. Ich halte meist einmal im Monat Rückschau. Also habe ich relativ schnell festgestellt, dass etwas im Argen liegt. Und nicht immer, muss es schlecht sein, dass Schreiben auf Eis zu legen und das Schreibfeuer auf niedriger Flamme lodern zu lassen.

Aber wenn du bei ehrlicher Selbstreflexion dazu kommst, das du den Zustand gerne ändern möchtest und es dir besser ging, als du häufiger in die Tasten getippt hast, dann warte nicht einfach darauf, dass die Schreibfreude zurückkehrt. Vielleicht geht es dir auch wie mir und dich quält dieser Zustand des innerlich voll seins, aber nichts herausschreiben können, ohnehin so sehr, dass es dir keine Ruhe lässt. Gut so.

Mittlerweile habe ich zur alten Schreibfreude zurückgefunden und ich will ein paar Tipps teilen, die vielleicht auch dir helfen können, schneller das alte Schreibfeuer wieder zu entfachen. Da es den einen goldenen Weg nicht gibt, bleibt uns nichts anderes übrig als im Trial and Error Verfahren ein paar Optionen auszuprobieren und dann selbst zu beobachten, welcher Weg für uns als Katalysator wirkt.

Die Tipps können allgemein verstanden werden für Schreiben jeder Art, lassen sich aber vor allem auch für das Journaling und autobiographisches Schreiben mit oder ohne Veröffentlichungsabsicht verwenden. Damit unterscheidet sich diese Liste von den meisten anderen, die im Netz kursieren.

1. Pause machen

Hatte ich nicht eben gesagt, die Schreibfreude kehrt meist nicht von allein zurück? Jein. Gerade wenn eine sehr produktive Phase hinter dir liegt oder allgemeiner eine Phase, in der du dich sehr intensiv dem Schreiben oder dem Journaling gewidmet hast, in der vielleicht schwere Themen auf den Tisch kamen, kann es eine ganz gesunde Reaktion erst einmal Abstand zum Schreiben nehmen zu wollen. Elizabeth Gilbert hat in ihrem Podcast Magic Lessons einmal darüber gesprochen und sogar eine Schreibauszeit verordnet.

Der Unterschied zum einfach Abwarten? Du legst vorab einen Zeitraum – zum Beispiel zwei oder drei Wochen – fest, in dem du konsequent nicht schreiben wirst, auch wenn du zwischenzeitlich doch wieder Lust hast, in die Tasten zu tippen. Wenn es wirklich wichtig ist, wirst du es später auch noch wissen… Nach dieser Auszeit kannst du schauen, ob deine Freude am Schreiben sich regeneriert hat und sie einfach einen Urlaub brauchte. Liz Gilbert hat selbst solche Schreibauszeiten genommen und wohin das geführt hat, kannst du bei Amazon sehen…

2. Neue Schreibroutine & Neues Schreibmaterial

Routine kanalisiert Kreativität und gibt ihr den Rahmen, in dem sie sich entfalten kann. Zu viel Routine kann der Kreativität und Schreibfreude allerdings auch schaden. Manchmal lässt sich die Freude am Schreiben schon mit ein paar neuen Utensilien zurück locken, zum Beispiel mit einem neuen Füller oder einem neuen Notizbuch.

Manchmal ist es vielleicht auch an der Zeit die bisherige Routine aufzubrechen und etwas neues zu probieren. Das Leben ändert sich permanent, warum erwarten wir, dass eine Routine, die einmal funktioniert hat, für alle Zeit funktionieren wird? Kleine Veränderungen in anderen Lebensbereichen haben Einfluss auf unsere Schreibroutine.

Experimentiere mit einer neuen Schreibzeit, einem neuen Schreibfrequenz und einem neuen Schreibort. Vor allem mit letzterem habe ich schon erstaunliche Erfolge erlebt: Nachdem ich nicht mehr am angestammten Schreibtisch schrieb, an dem ich auch berufliche Texte zusammenbaue, sondern den Sessel für mein privates Schreiben reservierte, war ich auf ein Mal wieder freier im Kopf. Unser Gehirn verknüpft Orte mit Erfahrungen. Wenn ein Ort einmal negativ besetzt ist, hilft manchmal nur ein Ortswechsel.

3. Lesen und Sehen

Paradoxe Hilfe. Du willst schreiben, nicht lesen. Ich weiß. Doch beides hängt zusammen und das Abtauchen in deinen Lieblingsbüchern oder in Büchern, deren Stil und Sprache dir gefällt, kann deine Lust anfachen, selbst solche Satzkonstrukte aufs Papier zu bringen. Wenn du gerne Filme schaust, kann die passende Filmwahl eine ähnliche Wirkung auf dich haben. In meiner Liste habe ich eine Auswahl an Filmen über das Schreiben zusammengestellt. Vielleicht ist genau der Film dabei, der dich wieder in Schreibflow bringt.

4. Schreibgruppe oder Schreibbuddy finden

Schreiben ist eine einsame Angelegenheit. Nur du allein kannst deinen Text auf Papier oder Monitor bringen. Da wir Menschen aber alle soziale Wesen, brauchen wir den regelmäßigen Austausch mit anderen und das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter. Vielleicht fehlt dir also einfach eine Schreibgruppe. Es kann die Motivation und Kreativität extrem beflügeln, solche regelmäßigen Schreibtreffen mit anderen als Inseln in den Alltag zu integrieren.

Schreibgruppe & Meetups

Gerade in größeren Städten gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Workshops, in denen Autoren an ihren eigenen Texten arbeiten. Vor allem für das Journaling sind auch Silent Writing Groups perfekt geeignet, da es dir weniger darum geht, dich über Stil und Plotting auszutauschen als einfach deinen inneren Schweinehund durch die Anwesenheit anderer Schreibender zu vertreiben.

Schreibbuddies

Wenn du keine Schreibgruppe vor Ort findest und selbst keine gründen magst, dann gibt es noch die Möglichkeit, dass du einen einzelnen Menschen findest, der ebenfalls gerne mehr schreiben möchte. Bildet ein Tandem, werdet Schreibbuddies und unterstützt euch auf eurem Weg.

Vielleicht vereinbart ihr wöchentliche Skype Calls, in denen ihr von euren Fortschritten und euren Herausforderungen mit dem Schreiben in der vergangenen Woche berichtet, vielleicht telefoniert ihr oder ihr trefft euch persönlich, um gemeinsam jeweils an euren Schreibvorhaben zu werkeln. Ihr macht die Regeln.

Du hast keine Idee, wo du einen Schreibbuddy finden kannst? Dann poste dein Gesuch in der Schreiben wirkt Facebook Community. Dort haben sich schon einige Schreibbuddies gefunden.

5. Neue Eindrücke sammeln (Orte, Menschen, Ideen)

Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, dehnt sich aus. Konzentrierst du dich also auf deine Schreibblockade, nimmt sie immer mehr Raum in deinen Gedanken ein. Sie erscheint größer, als sie wirklich ist. Vor allem wirst du aus dieser Haltung heraus nur weitere Probleme, aber ganz sicher keine Lösungen finden. Fokussiere dich bewusst auf anderes. Sammle neue Eindrücke und Erlebnisse. Besuche Orte, die du noch nicht kennst, beschäftige dich mit Themen, die dir bisher unbekannt sind.

Diese paradoxe Herangehensweise bringt oft den nötigen Abstand. Irgendwann zieht es dich von ganz alleine zurück zum Schreiben. Oft hilft das Schreiben über die neuen Erfahrungen zurück zu alter Schreibfreude zu finden und irgendwann fällt es dir dann plötzlich leicht über Themen zu schreiben, bei denen du noch vor einiger Zeit, in eine Sackgasse geraten warst.

6. Neue Schreibformen testen

Führe eine offene Beziehung. Wenn es mit dem einen Schreibprojekt nicht funktioniert, wende dich anderen Schreibformen zu. Deine Tagebuch-Routine ist ins Stocken geraten. Dabei spürst du, dass es da Themen gibt, die mal raus müssen, aber nichts will auf die Seite? Du sitzt an deinem Roman und irgendwie ist die Luft raus? Experimentiere.

Müssen es immer vollständige Sätze oder durchdachte Dialoge sein? Wenn du normalerweise an einem Roman schreibst, versuch es mit Gedichten. Schreibst du sonst Gedichte, setz dich an einen Essay über ein Herzensthema. Führst du Tagebuch, beginn eine Kurzgeschichte… Stell deine bisherigen Schreibvorlieben in Frage. Die Schreibwelt ist viel größer als der Ausschnitt, mit dem du dich gerade beschäftigst. Es ist völlig in Ordnung sich einmal in anderen Bereichen umzusehen. Recherchiere, lies über das neue Genre deiner Wahl.

Wer weiß, vielleicht ist diese Schreibblockade dein Moment, um der Liebe deines Lebens zu begegnen?

7. Über die Schreibblockade reden

Reden hilft. Nicht immer, aber häufig. Daher: Rede über deine Schreibprobleme. Nein, starte keinen Youtube-Kanal. Halte keine Vorträge. Gib keine Seminare. Sprich einfach mit einem Menschen, dem du vertraust, der dir seine Zeit gerne schenkt und der dir vorurteilsfrei zuhört. Werft vielleicht auch ein paar Ideen hin und her. Redet über Träume und Zweifel. So, wir es Menschen gemacht haben, bevor sie bei jedem Problem zu einem Coach gelaufen sind. Das kann Wunder wirken. Je weniger du erwartest, desto offener bist du um neue Wege zu sehen und zu gehen.

Moment, steht das nicht in Widerspruch zur Formel “Energy goes where attention flows”? Steigern wir uns nicht auf diese Weise erst recht in unser Problem hinein und bauschen es auf?

Wenn wir uns eine Verletzung zugezogen haben, reinigen wir die Wunde auch zunächst, bevor wir sie verbinden. Alles Schwierige und Schmerzhafte zu leugnen, führt eher dazu, dass diese Themen dich nicht loslassen und dich von Innen heraus vergiften. Es gilt die Balance zu finden, um über die eigene Schreibblockade und damit verbundene Themen zu sprechen, ohne sich in Schwarzmalerei und Opferhaltung zu verlieren. Wie du diese Balance findest? Indem du dich es einfach ausprobierst. Rede. Beobachte, wie du dich danach fühlst. Gib dem ganzen noch eine Chance. Prüfe erneut. Manchmal haben wir einfach noch nicht das passende Gegenüber für solche Gespräche gefunden.

Anmerkung: Warum es Schreibblockaden nicht gibt

Im Übrigen finde ich die Formulierung “Schreibblockade” ungünstig. Ich verwende sie, weil sie viele Schreibende nutzen und sie hoffentlich so zu diesen Tipps finden. Aber letztlich ist sie irreführend.

Der Begriff suggeriert, dass wären wir gar nicht mehr in der Lage sind, zu schreiben. Tatsächlich können wir wohl auch in der Hochphase jeder Schreibblockade Einkaufslisten schreiben. Was wir nicht können, ist unseren eigenen Erwartungen gerecht werden. Wir haben vielleicht eher eine Disziplin- oder Kreativitätsblockade. Oder wir haben schlichtweg Angst, uns bestimmten Themen zuzuwenden und verlieren uns in Vermeidungsverhalten. Ich hoffe, du findest in den Tipps mindestens eine Strategie, die dir hilft, zurück zur Schreibfreude zu finden, egal welche Art von Schreiben dir am Herzen liegt.

Welche Tipps funktionieren bei dir, wenn du in eine Schreibblockade hineingeraten bist? Teile sie gerne in den Kommentaren. Vielleicht ist es genau der Tipp, den jemand anders gerade braucht.

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