Wie du dein Tagebuch zurückeroberst

Erwachsene, die Tagebuch führen, erobern sich etwas zurück, was in unserer Kindheit selbstverständlich war und die meisten in ihrer Jugend verloren haben. Dabei brauchen wir es heute umso dringender. Um unsere mentale Gesundheit zu schützen und unser persönliches Glück zu leben.

Ein Gastbeitrag von Cosima Siegling

Als Kind träumen wir uns weg an die entferntesten Orte. Wir verstecken und in einem Baum oder Schrank. Wir sind ganz in unserer Welt. Niemand bewertet unsere Fantasie, unsere Träume, unsere Gedanken. Aber dann werden wir älter und etwas verändert sich.

Immer öfter wird das, was wir tun und sagen, bewertet und verglichen. Die Zeit, in der wir uns ausprobieren dürfen in einem bewertungsfreien Umfeld, wird selten.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Tagebuch. Es war von Diddl und es hatte ein Schloss. Mit Stift und Schokolade im Arm habe ich mich in unserem Walnussbaum gesetzt und seitenweise aufgeschrieben, was passiert ist und was ich gedacht und gefühlt habe. Abgeschlossen habe ich es danach in einer Schublade versteckt.

Ein wertfreier Ort für Gedanken und Gefühle.

Wenn ich heute Tagebuch schreibe, bewerte ich meine Gedanken und Gefühle. Ich bin bedacht darauf, so zu schreiben, dass es jemand anderes nicht falsch verstehen könnte, dass es gut und verständlich klingt, falls es jemand anders liest.

Was ist passiert?

Unbewusst übernehme ich den Modus des Bewertens und Vergleichens.

Ich bewerte meine Gefühle und Gedanken.

Ich schreibe nicht mehr für mich, sondern für einen imaginären Bewerter.

Und zensiere mich deshalb selbst.

Kennst du das?

Du willst dich einfach mal auskotzen. Du willst rumschwärmen. Du willst sauer sein. Du willst Blödsinn reden. Du willst ernst sein. Du willst alle Gefühle und Gedanken raus lassen.

Und sobald du den Stift auf das Papier setzt, schreibst du nur, was schön ist, was nicht geheim ist, was man nicht falsch verstehen könnte?

Mir fällt es schwer, das ständige Werten, Vergleichen, und Sichzeigen auszuschalten.

Doch ich will mir mein Tagebuch zurück erobern. Als meinen ganz persönlichen Ort. Als Ort, der sicher ist, der wertfrei ist, der Raum lässt für alle Gedanken und Gefühle.

In letzter Zeit gelingt es mir wieder öfter, mein Tagebuch als diesen wertfreien, sicheren Ort zu erleben. Als Walnussbaum. Hier habe ich einige Tipps, die dir helfen können, zu deinem sicheren Ort zurück zu finden für dich zusammen gefasst.

Wie kannst du dein Tagebuch als safe space gestalten?

1. Sei mutig und trau dich

Wenn du bei einem Gedanken merkst, es fällt dir schwer ihn aufzuschreiben, sieh es als eine Chance, dir selbst näher zu kommen und dich selbst besser zu verstehen.

Schreibe ihn auf, wie er dir als erstes in den Sinn kommt und dann fühle die Unstimmigkeit. Wo bereitet er dir Unbehagen? Wo bist du noch nicht ganz ehrlich?

Du kannst alles wieder streichen, ändern, um formulieren, so lange bis deine Worte  wirklich dem entsprichst, was du sagen willst.

2. Raum für Negatives, Fokus auf Positivem

Ich habe eine Zeit lang nur Positives in mein Tagebuch geschrieben. Das hat mir geholfen eine generelle positivere Einstellung zu bekommen und auch im Alltag positive Dinge wahrzunehmen.
Doch unbewusst habe ich negativen Dingen kaum mehr Raum gegeben, vor allem in meinem Tagebuch.

Ich habe negative Geschehnisse unterdrückt anstatt angenommen.

Wie ich gehe ich jetzt damit um?

Ich schreibe sie auf, aber ich bewerte sie nicht über.

Beispiel: Als ich letztes Mal nach Berlin gefahren bin, hatte ich Abschiedsschmerz.
Anstatt nur aufzuschreiben, dass ich mich auf Berlin freue, habe ich auch aufgeschrieben, dass die Zeit zuhause schön war und ich loslassen muss und das darf auch weh tun.

Ich kann besser damit umgehen. Ich lasse den Schmerz zu, aber fokussiere mich gleichzeitig darauf, dass ich gerne nach Berlin fahre und weiß wieso ich das tue.

3. Dein Tagebuch – nur für dich

Du entscheidest, was du aus deinem Tagebuch teilst.

Manchmal habe ich das Bedürfnis Gedanken aus meinem Tagebuch zu teilen. Besonders wenn ich mehr Klarheit dadurch gewonnen habe, über eine Situation oder meine Gefühle.
Wenn du etwas daraus teilen willst, schreibe es separat auf, sodass dein Tagebuch nur für dich bestimmt bleibt.

Eine Übung, die du machen kannst um wertfrei zu Schreiben

Das erste Mal ist mir diese Übung bei einem Redaktionstreffen der WWF Jugend begegnet. Dort haben wir im Zusammenhang mit Kreativen Schreiben genutzt. Ich habe für mich schnell entdeckt, dass ich sie auch für mein Tagebuch benutzen kann.

Stelle dir einen Timer (5-10 Minuten).

Bevor du loslegst, kannst du dir

  1. den Namen einer Person aufschreiben, zu der du dir Gedanken machen willst.
  2. eine Frage überlegen, die dich beschäftigt.
  3. ohne Vorgabe, deine Gedanken fließen lassen.

Sobald der Timer startet, schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt. Egal ob es grammatikalisch stimmt oder wahr ist. Schreibe einfach alles auf.
Setze den Stift nicht ab.
Falls dir keine Worte einfallen, mache Kreise oder Schleifenbewegungen mit dem Stift, bis du wieder ins Schreiben von Worten kommst.

Wenn die Zeit um ist, atme tief durch und leg den Stift weg.

Lies nochmal in Ruhe, was du gerade geschrieben hast.

All das kann helfen, doch was ich mir am meisten für dich wünsche: Vertrau dir.

Alles was du fühlst und denkst ist ok. Gerade im Moment ist es das, was dich beschäftigt, was für dich wichtig ist, was du aufschreiben willst. Dein Tagebuch ist da, um dich darin zu unterstützen dich zu entwickeln, dir zu helfen, Klarheit zu bekommen und dir deinen persönlichen Raum zu geben.

Kennst du noch weitere Tipps, um wertfreier zu Schreiben
und dein Tagebuch als sicheren und persönlichen Ort zu gestalten?

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Cosima

Cosima Siegling

Cosima Siegling bloggt auf cusilife über Persönlichkeitsentwicklung und darüber, wie Selbstliebe dein Leben verändern kann. Sie will ihre Leser mit persönlichen Geschichten, Tipps und Methoden dabei unterstützen, ihr Leben so zu führen, wie es sich für sie gut anfühlt.

 

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2 Comments Wie du dein Tagebuch zurückeroberst

  1. Jo

    Ein toller Artikel!! Danke, liebe Cosima!!
    Innerlich alles zuzulassen, fällt mir auch noch schwer. Doch immer, wenn ich es tue, wenn ich aufhöre zu verdrängen und allem Raum gebe, merke ich im Anschluss, wie gut mir das tut 🙂

    Reply
    1. Cosima

      Liebe Jo, danke für deinen Kommentar.
      Kann ich sehr gut verstehen, was du sagst.
      Auch wenn es erst etwas unangenehm ist,
      danach fühle ich mich leichter und freier.

      Liebe Grüße dir
      Cosima

      Reply

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