Home » Blog » Melina Royer: “Mein Zugang zum gesprochenen Wort hat sich verändert”

Melina Royer von Vanilla Mind

Melina Royer: “Mein Zugang zum gesprochenen Wort hat sich verändert”

Melina Royer vom Business-Blog Vanilla Mind wollte ich schon lange zu ihrer Schreibliebe befragen. Denn sie schreibt nicht nur beruflich für ihren Blog, sondern führt auch privat ein Journal. Grund genug, einmal nachzuforschen, was das Schreiben in ihrem Leben verändert hat.

Melina, das Schreiben und du – wie beschreibst du eure Beziehung heute?
Wie hat sich deine Liebe um Schreiben entwickelt: Warst du direkt hin und weg oder war es eher Liebe auf den zweiten, dritten Blick?

Unsere Beziehung ist langsam gewachsen, würde ich sagen. Ich bin jemand, der keinen besonders guten Zugang zum gesprochenen Wort hat. Wenn ich rede, kann ich meine Gedanken oft nicht gut formulieren und ich werde schnell missverstanden. Ich muss länger nachdenken, bis ich mit einer Formulierung aufwarten kann, die klar und verständlich ist statt komplex und verschwurbelt. Reden ist meine Dauer-Baustelle, aber ich werde langsam besser darin. Als ich Vanilla Mind startete, war mir gar nicht so bewusst, wie leicht es mir fallen würde, mich schriftlich auszudrücken. Es hat sich einfach intuitiv und richtig angefühlt. Ich habe keine Ausbildung oder Ähnliches im Schreiben, ich schreibe einfach genauso, wie ich sonst reden würde, wenn es mir nicht so schwer fiele. Im Grunde genommen ist das Schreiben für mich also erst einmal ein Mittel zum Zweck. Klingt unromantisch, ich weiß. 😉

Durchs Schreiben kann ich ordnen, was in meinem Kopf alles vor sich geht und auch wichtige Erkenntnisse mit anderen teilen. Das kann ich im Gespräch nicht so gut, da höre ich lieber zu. Ich lasse mich in Gesprächen auch oft überrollen, obwohl ich eigentlich sehr klare Standpunkte vertrete (und das mitunter sogar sehr vehement).

Hast du feststellen können, ob sich dein Redetalent durch das regelmäßige Schreiben verändert hat oder hat das aus deiner Sicht keinen Einfluss? Inwieweit wirkt sich dein Schreiben positiv auf deine verschiedenen Lebensbereiche aus?

Da bemerke ich auf jeden Fall einen Zusammenhang. Dadurch, dass ich durch den Blog sehr viel schreibe und durch das Buchmanuskript ja erst recht “gezwungen” war, meine Emotionen gut verständlich in Worte zu packen, hat sich mein Wortschatz erweitert. Dinge, die ich schon einmal schriftlich für mich ausformuliert, also reflektiert habe, kann ich dann auch besser verbalisieren. Ich nutze ein Journal, das schon vorformulierte Fragen hat, die ich dann knapp beantworte, da bin ich effizient. 😉 Ich bemühe mich außerdem, möglichst sofort mit jemandem zu reden, wenn ich das Gefühl habe, in meinen negativen Gedanken gefangen zu sein.

Du hast auf deiner Seite das 6-Minuten-Tagebuch vorgestellt und auch schon über Bullet Journaling berichtet. Solche Journals können gute Selbstcoaching-Werkzeuge sein. Wo liegt für dich die Grenze des Schreibens, wann sollten aus deiner Sicht eher persönliche Coaches oder Therapeuten ran? 

Man kann mit Selbstcoaching sehr weit kommen. Seit ich mein 6-Minuten-Journal nutze, bin ich wesentlich positiver geworden und schaue weniger auf andere oder das, was bei mir meiner Meinung nach fehlt. Sabine Asgodom, sehr erfolgreiche systemische Coachin, sagt selbst, dass Coaching keine Geheimwissenschaft ist, sondern dass jeder sich mit gezielten Fragen selbst coachen kann. Natürlich meint sie damit nicht, dass niemand einen Coach braucht, aber sie macht damit deutlich, dass jeder über die Fähigkeit verfügt, eigenständig seine Situation zu verbessern.

Jeder Mensch muss allerdings selbst beurteilen, wo er an seine Grenzen stößt. Ich finde es wichtig, sich ehrlich einzugestehen, dass man Hilfe in Anspruch nehmen sollte.  Und ich meine damit gar nicht unbedingt Hilfe im Sinne von “ich bin krank”. Positive Psychologie ist für jeden geeignet, da sie sich nicht an Vergangenem orientiert, sondern nach vorn schaut und sich auf das Machbare konzentriert. Darauf basieren ja auch viele Journals. Ein Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe und ich finde es positiv, dass dieser Bereich mittlerweile immer populärer wird.

Stell dir häufiger gute Fragen.
Als Newsletter-Abonnent erhältst du in unregelmäßigen Abständen:
  • neue Schreibimpulse
  • Einladungen zu Gewinnspielen & besonderen Aktionen
  • und Hintergrundinfos, die ich nur in geschützter Runde teile.
Hinweise zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister, statistischer Auswertung und Widerruf findest du in der Datenschutzerklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.