Home » Blog » Warum Schreiben das Sozialste ist, das ich tue

Was ist Schreibtherapie
Was ist Schreibtherapie.

Warum Schreiben das Sozialste ist, das ich tue

Die Leute. Die Farben. Das dauernde Kommunizieren. Die ganze Welt nur wenige Klicks entfernt. Immer To Dos. Immer in Bewegung. Immer Geräusche. Überall. An schlechten Tagen kommt mir die Welt genau so vor. Jedes Gehirn ist anders und für jeden bedeutet Schreiben etwas anderes. So fühlt sich Schreiben für mich an.

Weißer Untergrund. Schwarze Schrift. In meinem Tempo legen sich die Worte aufs Papier. Die Welt bleibt draußen. Hier finde ich das Level an Reizen, das ich verarbeiten kann. Meine Gedanken sind wild genug. Sie können sich nicht sortieren, wenn von außen so viel auf sie einströmt. Endlich wird es leiser.

Egal, wie laut es um mich herum ist: Wenn ich auf das weiße Papier schaue oder den blinkenden Cursor, dann kehrt Ruhe ein. Das Chaos von außen ebbt ab und zumindest nach einer Weile dringt es nach Innen durch.

Vom Kopfkino zum Kompass

Aus dem Bilderkino in meinem Kopf, den zehntausend Filmen und Fetzen von Wünschen, Sorgen und Träumen, Anforderungen und Verpflichtungen, bildet sich eine Stimme, meine innere Stimme, die Wort für Wort, erst langsam, dann immer schneller, nach draußen dringt und ihre Spur schwarz auf weiß hinterlässt. Wenn ich die Worte später lese, werde ich Orientierung haben. Halt finden. Einen Kompass aus Papier. 

Irgendwann habe ich das Gefühl leer geschrieben zu sein. Ich fühle mich besser. Ruhiger. Habe einige Knoten in mir entwirrt. Habe mein Herz sprechen lassen und das Gefühl, mich zumindest etwas besser zu verstehen.

Auszeit für den Autopiloten

Ich denke schriftlich und ich kommuniziere am besten schriftlich. Dass wir heute so viel texten, mailen und whatsappen, ist großartig. Das macht es mir leichter, Kontakte zu pflegen und wirklich zu sagen, was ich sagen will.  Wenn ich tagelang nicht spreche, aber schreibend kommuniziere, fühle ich mich nicht einsam. Woher ich das weiß? Ich habe es ausprobiert. Schreiben ist meine authentischste Verbindung zu Welt.

Wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, nicht schreiben kann, nichts zu Papier bringe, weiß ich, dass etwas nicht im Lot ist. Dann habe ich die Welt zu lange und zu intensiv auf mich einhämmern lassen. Die Welt schreit so laut, dass ich meine eigene Stimme nicht hören kann. Ich vergesse, wer ich bin und was ich will. Ich fühle nicht mehr. Ich funktioniere auf  Autopilot. 

Anstrengungslos Ich sein

Der blinkende Cursor hilft mir, mein Leben selbst zu steuern. Mit Stift und Papier finde ich mich in dieser viel zu lauten, schnellen, emotionskalten Welt besser zurecht. Ich sortiere meine Gedanken und schaffe Ordnung. Ich finde Sinn und immer wieder auch Schönheit im alltäglichen Chaos.

Je mehr Digitalisierung meinen Alltag bestimmt, desto schneller verliere ich mich in der Außenwelt. Das Flimmern der digitalen Geräte blockiert mein eigenes Denken. Schreiben ist meine Rettung. Eine Auszeit und ein Heimkommen in eine Welt, in der ich nicht anders bin. In der ich anstrengungslos einfach sein kann und meine eigene Stimme hörbar wird. Für mich und andere.

Lass die Labels liegen

Die Schreibzeit, die ich mir nehme, ist egoistisch und zutiefst sozial. Wie kann ich irgendeinen Beitrag leisten, wenn ich mich selbst nicht verstehe? Manche Psychologen mögen mein Empfinden hochsensibel nennen. Manche Menschen finden es einfach seltsam. Das sind Labels. Labels helfen nicht. Schreiben hilft. Schreiben ist der beste Weg für mich, mit dieser übermächtigen Welt in Kontakt zu treten.

Völlig absurd oder hast du dich in einigem wiedererkannt? So oder so, ich freu mich deine Perspektive kennenzulernen: Was bedeutet Schreiben für dich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.