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Gruppenjournal - Gemeinsames Tagebuch - Journaling

Gruppenjournal: Wie das Experiment zum Erfolg wird

Schreiben ist eine einsame Angelegenheit. Eigentlich. Denn ein Journal kannst du nicht nur alleine, sondern auch mit anderen zusammen führen. Wie das funktionieren soll und was du unbedingt beachten solltest, damit das Experiment Gruppenjournal nicht nach hinten losgeht, erfährst du in diesem Artikel.

Ich hatte alles richtig gemacht und es ging mir richtig schlecht. Der ganze Seelenmist abgeladen auf Papier brachte weder Erleichterung noch Klarheit. Dabei sollte Schreiben doch helfen. Stattdessen fühlte ich mich weiter einsam, verzweifelt und orientierungslos. Manchmal hilft Tagebuchschreiben eben nicht. Gerade als ich den Stift, mich und das Leben fallen lassen wollte, warf mir ein Freund in einem Whatsapp-Dialog ein rettendes Seil herüber: ein gemeinschaftliches Erfolgsjournal.

Ich? Tägliche Erfolge? Mit jemand anderem teilen? Unser Gehirn braucht fünf Sekunden, um unser rationales Denken anzuwerfen. Das sind fünf Sekunden Vorsprung vor dem inneren Kritiker. Also tippte ich schnell, sagte zu und ließ mich ein auf das Experiment. Nach einigen Wochen wage ich ein erstes Fazit: Ja, es lohnt sich. Vielleicht auch für dich.

Warum das Gruppenjournal (anders) wirkt

Gruppenjournal - Wie es wirkt

Es gibt meines Wissens nach keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass oder wie ein Gruppenjournal wirkt. Aber letztlich ist das auch nicht wichtig. Wichtig ist, ob dir die Erfahrung nützt. Und dass ein solches Journal nützen kann, dafür spricht einiges.

1. Gedanken und Gefühle mit jemand anderem zu teilen, ist heilsam und letztlich die Basis jeder Gesprächstherapie. Ein Gruppenjournal erfindet das Rad nicht neu. Dass es gut tut, sich ehrlich mit anderen auszutauschen, ist eine urmenschliche Erfahrung, die wir alle hoffentlich schon einmal gemacht haben und die auch in Studien belegt ist. Sprechen wir über belastende Erfahrungen, gehen die Aktivität in den für diese Emotionen zuständigen Hirnarealen zurück.

2. Aber es geht nicht nur um Probleme. Wer seine Erfolge und sein Glück mit anderen teilt, erlebt es intensiver, als würde er es still für sich genießen. Der Spruch: Geteilte Freude ist doppelte Freude kommt nicht von ungefähr. Auch hier hat die Wissenschaft Omas Weisheit mittlerweile untermauern können. Gemeinsame Erlebnisse und ehrlicher Austausch machen einen großen Teil von Freundschaft aus und wer tiefe Freundschaften pflegt, lebt länger.

3. Wir sehnen uns als Menschen nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Und diese Bedürfnisse kann ein einfaches Journal nicht erfüllen. Wir brauchen den wertschätzenden Austausch mit anderen. Dass es gut tut, einen Raum zu haben, in dem wir von anderen vorurteilsfrei angenommen und unterstützt werden, weiß jeder, der sich schon einmal näher mit Selbsthilfegruppen befasst hat. Oft brauchen wir gar nicht konkrete Lösungen, sondern wollen einfach gehört und mit unseren Gedanken und Gefühlen nicht allein sein.

4. Was der Vorteil eines lebendigen Gegenübers ist: Es kann eine andere Perspektive einbringen. Nicht immer ist uns die eigene Intuition zugänglich, können wir innere Weisheit anzapfen. Manchmal tut es gut, ganz konkrete Anregungen von außen zu bekommen. Wer allein schreibt, bleibt eben auch allein mit seinen Gedanken.

5. So schwer es ist, sich anderen Menschen ehrlich zu öffnen: Gruppen haben den Vorteil, Sie können eine positive Dynamik erzeugen, die ungeahnte Motivation und Handlungsenergie freisetzt und die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Ziele erreichen, um 50% erhöhen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir uns der Gruppe verpflichtet fühlen.

Tatsächlich wäre es zu prüfen, ob nicht die positive Wirkung, die dem Journaling bzw. dem expressiven Schreiben zugeschrieben wird, auch eine soziale Komponente hat. James Pennebakers Studien über die Wirkung des expressiven Schreibens haben nie berücksichtigt, ob nicht das Wissen, dass das eigene Geschriebene von jemand anderem gelesen wird (dem Studienleiter), zur Wirkung der Methode beigetragen haben. Aber zurück zum Gruppenjournal…

Welche Voraussetzungen sind notwendig?

Ein Gruppenjournal ist sicher nichts für jeden. Es gibt einige Haltungen, die hilfreich sind und die jeder in der Gruppe mitbringen sollte, soll das gemeinsame Journaling eine positive Erfahrung werden:

  • Mut zur Verletzlichkeit: Ohne Ehrlichkeit und Verletzlichkeit verfehlt das Journal jeden Sinn. Erst wenn du deine eigenen Herausforderungen teilst, wirst du wirklich vom Gruppenjournal profitieren. Wer sich hier um seine Außenwirkung Gedanken macht, braucht das Experiment gar nicht erst starten. Es geht hier nicht um Imagepflege, sondern Seelenpflege.
  • Verbindlichkeit: Ein Journal braucht wie jedes Journaling eine gewisse  Zeit, um zu wirken. Wer meint, er könne sein Leben oder eine Stimmung von heute auf morgen dramatisch ändern, sollte sich erst gar nicht die Mühe machen, ein Gruppenjournal ins Leben zu rufen. Und wer einmal dabei ist, darf auch berücksichtigen, dass er sich damit gegenüber anderen verpflichtet und seine Entscheidung zum Weitermachen oder Aufhören auch Auswirkungen hat. Ein Gruppenjournal macht man nicht mehr ausschließlich für sich.
  • Bereitschaft zur Selbstreflexion: Wer nicht bereit ist, sich selbst und das eigene Tun zu hinterfragen, wird mit einem Gruppenjournal nichts anfangen können. Ernsthaftes Nachdenken ist von Zeit zu Zeit anstrengend. Ja, ich weiß, wovon ich rede. Nicht immer werden dir deine Erfolge auf dem Silbertablett serviert. Das eigene Denken konstruktiv auszurichten, kann zum Kampf mit den inneren Kobolden werden. Wer dazu nicht in der Lage oder bereit ist, dem wird ein Gruppenjournal wenig nützen.

Wozu kann ein Gruppenjournal genutzt werden? Was ist der mögliche Nutzen?

Ein Gruppenjournal ist das, was man daraus macht. Es kann ein Instrument sein, um

– mehr Bewusstsein für die kleinen Dinge des Alltags zu kultivieren

– Achtsamkeit zu schulen

– das eigene Selbstwertgefühl zu stärken

– konsequenter an Zielen zu arbeiten.  

Dazu kann das Journal als Dankbarkeitsjournal, Erfolgsjournal oder als Erkenntnisjournal verwendet werden. Die Grenze ist die eigene Fantasie.

Wozu das Gruppenjournal verwendet werden soll, lässt sich auch ganz hervorragend gemeinsam in einer ersten Journaling-Runde klären.

Was ein Gruppenjournal nicht sein kann

Ein Gruppenjournal ist kein Ersatz für eine Therapie oder medizinische Behandlung. Es braucht überhaupt keinen Leidensdruck, um ins Leben gerufen zu werden. Im Gegenteil, es ist eher geeignet als Mastermind-ähnlicher Austausch und freundschaftliche Erinnerung zu verstehen, um eine gemeinsam beschlossene Richtung, ein persönlich als wertvoll erkanntes Ziel zu verfolgen.

Daran anschließend: Ein Gruppenjournal ist auch kein Ersatz für eine Selbsthilfegruppe. Allein schon, weil die physische Anwesenheit an einem gemeinsamen Ort und der mündliche Austausch noch einmal eine ganz andere Qualität haben als das der digitale schriftliche Austausch leisten kann.

Es ersetzt auch nicht das ausführliche schriftliche Reflektieren, das im Wissen geschieht, dass die eigenen Gedanken von niemandem gelesen werden, sondern ganz unfertig und unzensiert sein dürfen. Eine letzte innere Barriere bleibt eben doch, wenn es zu einem Austausch mit einem lebendigen Gegenüber kommt. Zumindest ist das meine Erfahrung genauso wie die, dass sich für Gruppen stichpunkthafte bzw. komprimierte Notizen eher eignen als ungefilterte Journal-Einträge.

Aller Anfang ist… 5 Tipps zum Start

Gruppenjourna: Die Haltung Gruppen sind ein komplexes Gebilde, erst Recht, wenn sie sich wirkungsvoll auf ein gemeinsames Ziel zubewegen wollen. Da muss einiges passen. Da jede Gruppe anders ist und jeder Mensch andere Erwartungen ist, gibt es keine pauschale Antwort, was diese Passung ausmacht. Trotzdem hier ein paar Gedanken als Ausgangspunkt für alle die, die sich auf die Suche machen, ihr eigenes Gruppenjournal ins Leben zu rufen:

Die passenden Menschen

Nimm dir Zeit, um herauszufinden, mit welchen Menschen du diesen besonderen Austausch haben möchtest. Wie nah sollen dir die Menschen stehen, mit denen du das Journal pflegst? Wer hat die Disziplin ein solches Experiment auch längere Zeit durchzuziehen? Kannst du dir vorstellen, dich diesen Menschen zu öffnen und dich selbst unterstützend einzubringen? Wie viele Menschen sollen das Journal führen? Je größer die Gruppe, desto stärker muss tendenziell die emotionale Verbindung sein, um ein hohes Maß an Ehrlichkeit aufrechtzuerhalten.

Das passende Medium

Eine digitale Form bietet sich an – per E-Mail, WhatsApp-Gruppe, Facebook-Gruppenchat, GoogleDrive, einer anderen Online-Plattform. Welchen Plattformen willst du deine Daten (dauerhaft) anvertrauen? Auf welche Plattformen hast du unkompliziert Zugriff, gegebenenfalls auch mobil?

Die passende Frequenz

Regelmäßigkeit ist hilfreich, aber wenn das Tempo zu hoch ist, droht das Projekt schnell zu  scheitern. Welche Häufigkeit ist für alle realistisch und machbar: täglich, wöchentlich, alle vierzehn Tage? Welche Frequenz sinnvoll ist, hängt auch von der thematischen Ausrichtung ab.

Der passende Fokus

Es ist hilfreich, vorab eine klare Zielrichtung des Gruppenjournals festzulegen. Damit erhöht sich die Chance, dass jeder in den Gedanken des anderen Diamanten für sich entdeckt. Das geht natürlich auch ohne ein gemeinsames Schwerpunktthema, mir und uns hat ein klarer Fokus geholfen. Wir hatten einen klaren Ort, um unsere Erfolge zu reflektieren. Ganz nebenbei ist so ein gemeinsames Nachschlagewerk zum Thema entstanden.

Die passende Haltung

Ohne ein paar grundlegende Spielregeln funktioniert es nicht. Sie müssen nicht explizit ausgesprochen werden, aber es sollte ein gemeinsames Verständnis vorhanden sein, welche Werte dem Journal zugrunde liegen, zum Beispiel, sich  Wertschätzung zu begegnen, Geben und Nehmen in Balance zu halten, die Grenzen der anderen zu beachten und im Zweifel proaktiv zu erfragen… Auch wichtig: Wie intensiv ist es gewünscht auf die Notizen der anderen einzugehen – will man Reaktion oder ausschließlich einen gemeinsamen Sammelpunkt für Gedanken/Fortschritte?  

Fazit?

Ein Gruppenjournal zu führen, ist am Anfang aufwändiger, als sich schnell Stift und Papier zu schnappen und loszuschreiben. Es gibt einige Entscheidungen zu treffen und Rahmenbedingungen festzuzurren. Aber: Wenn der Anfang gemacht ist und die richtigen Menschen gefunden sind, kann daraus auch ein sehr spannendes, bereicherndes Experimentierfeld werden, das viel mehr Motivation freisetzt als das Journaling alleine.

Persönlich habe ich viele Anregungen in den Gedanken meiner Mit-Journaler gefunden, ganz ohne, dass sie aktiv auf meine Notizen reagiert haben. An manchen Tagen habe ich mich in ihren Texten wiedergefunden und fühlte mich verstanden, an anderen Tagen habe ich völlig neue Denkweisen kennengelernt. Wenn ich mal keine Lust hatte, mir gute Gedanken zu machen (und genau dann haben wir es am meisten nötig), haben es die Benachrichtigungen und das Lesen in der gemeinsamen Gruppe dann doch oft geschafft mich dazu zu motivieren, meinen inneren Schweinehund zu überwinden.

Nicht alles gehört für mich in eine solche Gruppe. Ein Gruppenjournal ist für mich aber eine  Bereicherung meines Schreibens geworden. Ein endgültiges Fazit mag ich noch nicht ziehen. Ich betrachte das Gruppenjournal als ein experiment in progress.

Umso mehr bin ich gespannt auf deine Erfahrungen. Wenn du eigentlich Lust hättest, dann mach es. Probier es aus. Ein paar Wochen. Mindestens. Und dann schreib(t) mir, wie euer vorläufiges Fazit ausfällt. Ist Gruppenjournaling etwas, das Gutes bewirkt?

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