Zum Glück gebloggt: Interview mit Suzanne von Free your Work Life

Bloggen ist eine ziemlich spannende Spielform des Schreibens und es ist ein wunderbarer Weg, sich selbst durch eine Krise hindurch zu begleiten und dem eigenen Leben schreibend eine neue bessere Richtung zu geben. Wie das aussehen kann, verrät heute Suzanne von Free your Work Life. 

Suzanne hat 2015 den Schritt aus dem Hamsterrad gewagt, weil sie überzeugt ist, dass jeder sich ein perfektes Arbeitsleben schaffen kann, das zum eigenen Leben passt. Was sie auf ihrem Weg in ihr ideales Arbeitsleben gelernt hat und wie Arbeit zu einem erfüllten Leben beitragen kann, darum geht es auf ihrem Blog Free your Work Life.

10 Fragen an Suzanne Frankenfeld von Free your Work Life

1. Wie würdest du deine Krise beschreiben, die dich zum Bloggen geführt hat bzw. welche Rolle hat das Bloggen dabei gespielt, diese Krise zu überwinden?

Die Kurzfassung meiner Krise: Ich bin in ein Arbeitsumfeld geraten, das nicht zu mir gepasst hat, aus dem ich mich aber aufgrund von Zweifeln und Sicherheitsdenken nicht schnell genug befreien konnte und das mich in der Folge hat krank werden lassen. (Die Langfassung gibt’s hier.)

Mein Blog war für mich anfangs eine Art „Revolution“ gegen dieses Arbeitsumfeld. Dinge, die mich beschäftigt haben und die ich in meinem Arbeitsumfeld nicht aussprechen konnte, fanden auf meinem Blog ihren Raum. Und hier hatte ich die Deutungshoheit – und nicht die Spießer, die meinen Arbeitsalltag dominierten.

2. Jeder kennt wohl die Angst davor, den Veröffentlichen-Button zu klicken. Was gibt dir den Mut, auch persönliche Einblicke mit einer nicht absehbaren Zahl unbekannter Menschen im Netz zu teilen?

Ehrlich gesagt war das für mich nie ein großes Thema. Nur bei sehr wenigen Artikeln musste ich mich überwinden, auf den Button zu klicken.

Ich bin ich und ich bin ok. Ich tue niemandem was Böses. Im Gegenteil: Ich denke, dass ich ein paar Menschen sogar ziemlich helfe mit meiner Geschichte.

3. Was sind 3 Dinge, die du durch das Bloggen gelernt hast, die du nicht erwartet hattest?

Mh, das ist schwer abzugrenzen, weil ich in der Zeit, als ich mit dem Bloggen angefangen habe, auch eine Therapie angefangen habe. Seit dem Frühjahr 2015 habe ich unglaublich viel gelernt und mich extrem weiterentwickelt. Ich würde sagen, so stark, wie ich es noch nie zuvor in nur einem Jahr getan habe.

Das Bloggen hat wahrscheinlich die Therapie schon unterstützt und mir geholfen, Dinge zu reflektieren.
Eine konkrete Sache fällt mir jetzt aber doch ein:

Ich habe fachlich extrem viel über operatives Social Media Management gelernt. In meinem Job zuvor war ich da eher nur strategisch unterwegs. Ich hätte vorher nicht erwartet, dass mir das Bloggen auch so viel für meine berufliche Expertise bringt!

4. Was ist oder war das Schwierigste am Bloggen und was ist deine Strategie mit der Herausforderung umzugehen?

Das Schwierigste war für mich, dass es gefühlt lange gedauert hat, bis ich regelmäßig Feedback von Lesern bekommen habe. Ich hatte dann manchmal das Gefühl, ich schreibe in einen luftleeren Raum hinein und nichts kommt zurück.

Aber ich hab einfach weitergemacht, weil das Schreiben mir eh so viel Spaß gemacht hat. Man muss oft ein Stückchen länger durchhalten, als man vorher dachte.
Und dann läuft es irgendwann.

5. Vor welcher falschen Erwartung möchtest du Leser warnen, die Bloggen nutzen wollen, um sich aus einer Krise zu befreien?

Krise ist nicht gleich Krise. Und Schreiben beziehungsweise Bloggen ist kein Allheilmittel. Wer eine psychische Erkrankung hat, wie ich sie hatte, sollte sich dringend Unterstützung von Fachleuten holen, um wieder gesund zu werden.

Schreiben kann so einen Prozess toll begleiten und noch dazu anderen Mut machen. Alleine wird es aber in vielen Fällen nicht ausreichen, um Dich zu heilen.

Schreibplatz

Wo entstehen die Free-your-Work-Life-Blogbeiträge? Im Sommer gerne auch mal auf Suzannes Balkon.

6. Wie gehst du mit Selbstzweifeln, allgemein und beim Schreiben, um?

Beim Schreiben habe ich ehrlich gesagt kaum Selbstzweifel. Weil das für mich kein Leistungssport ist. Ich schreibe einfach, was aus meinem Herzen und meinen Fingern rauskommt. Und meistens ist das ziemlich gut.
Wenn’s mal nicht so gut ist, ist das auch kein Weltuntergang.

Mit Selbstzweifeln im Allgemeinen gehe ich inzwischen sehr analytisch um. Ich versuche, mich neutral zu fragen, ob diese Zweifel berechtigt sind. Manchmal sind sie es ja und dann muss man irgendwas anders machen.

Und wenn sie es nicht sind, enttarne ich das meistens und sage mir: „Sei nicht so streng mit Dir!“ Das funktioniert inzwischen ganz gut!

7. Welcher Artikel auf deinem Blog liegt dir am meisten am Herzen und warum?

Schweeeere Frage. Aber ich stelle mich ihr natürlich, hehe.

(In der Zwischenzeit habe ich meinen kompletten Blog durchforstet!)

Es ist der hier: Natürlich hab ich Angst. Macht aber nix. Eine Erkenntnis von der Rolltreppe. Weil er für mich einen Wendepunkt markiert. Weil ich da verstanden habe, dass gewisse Ängste immer wieder mal aufkommen werden – und dass ich mich davon nicht aufhalten lassen muss.

Das zu verstehen, war wunderbar und sehr wichtig für mich!

8. Welchen Rat würdest du deinem Ich geben, das noch ganz am Anfang des Bloggerwegs steht?

Mein Ich hat eigentlich nichts großartig falsch gemacht. Von daher nur: Lass Dich von Deiner Neugierde und Deiner Intuition leiten. Das bringt einen meistens in die richtige Richtung voran.

9. Zwei Literaturtipps: einen zum Schreiben, einen zum Wachsen – welche Bücher sollte man unbedingt lesen?

Ähm, beim ersten muss ich schon wieder passen. Ich hab in meinem Leben noch nicht ein einziges Buch zum Schreiben gelesen. Ich mach es einfach. Ich lese höchstens ab und an Blogartikel um an meinem Stil zu feilen.
Buchtipp zum Wachsen: „Big Magic“ von Elizabeth Gilbert. Beim Lesen dieses Buches habe ich endgültig und mit dem Herzen verstanden, dass ich keine Erlaubnis brauche, um mein Leben so zu gestalten, wie ich mir das wünsche.

Ich brauche sie nur von mir selbst.

OMG, war das befreiend!

10. Welche Pläne hast du mit deinem Schreiben oder konkret deinem Blog?

Momentan kümmere ich mich aktiv eher um meine Zukunftspläne als Kommunikationsberaterin. Schreiben hat auch dort seinen Raum, hat es eh immer in allem, was ich tue.

Mein Blog läuft sowieso immer weiter, weil ich es einfach so sehr liebe, etwas dafür zu schreiben, zu recherchieren und so weiter.

Aus heutiger Perspektive möchte ich meinen Blog aber auf jeden Fall noch lange weiterführen und auch irgendwann mal Geld damit verdienen – denn inzwischen ist eine Zeit angebrochen, in der ich richtig viel (weiter-)geben kann und selber keine großen Probleme habe (ich klopfe in diesem Moment auf Holz!).

 

Mehr Bloggerinterviews:

 

Kennst du einen Blogger, der in einer persönlichen Krise mit dem Bloggen begonnen hat, hat vielleicht dir selbst das Bloggen aus einer Krise geholfen? Schreib mir einen Kommentar oder eine Nachricht. Wir sollten reden :). 

 

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2 Comments Zum Glück gebloggt: Interview mit Suzanne von Free your Work Life

  1. lisagoesinternet.de

    Tolles Interview, lieben Dank! Ich hab mich in so vielem wiedergefunden und einiges rausziehen können. Habe meinen Blog vorletzte Woche gelauncht. Bis dahin war es ein steiniger weg mit vielen Selbstzweifeln (mit diesen mal analytisch, statt hoch emotional umzugehen, ist ein super Tipp den ich beherzigen werde). Mittlerweile bin ich stolz und überwältigt von den Klickzahlen, aber diese doofen Zweifel und „Was mache ich hier überhaupt??!“-Gedanken tauchen trotzdem immer wieder auf. Umso erleichterter war ich über deine Frage zur Angst vorm Klicken des Veröffentlichen-Button… Ich bin nicht alleine, toll!
    Vielen lieben Dank für den schönen Beitrag!!

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    1. Paul

      Hey Lisa, freut mich, dass du zu diesem Artikel gefunden hast und dass er hilfreich für dich war! Die Selbstzweifel kenn ich auch nur zu gut, gehört einfach dazu 🙂 Viel Spaß und viel Erfolg bei deinem Bloggingabenteuer – Viele Grüße
      Paul

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