Liebe & Beziehungen

Wo liegen die Grenzen deiner Welt?

Wortschatz Werkzeug

Wir reisen um den Globus, wir haben mehr Kontakte als jede Generation vor uns, aber wie viel tiefer sind unsere Beziehungen? Wie gut gelingt es dir, deine Sicht auf die Welt deinem Gegenüber zu kommunizieren?

“Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.” Ludwig Wittgenstein

Worte sind das filigranste Werkzeug, das uns zur Verfügung steht, um unsere Innenwelt nach außen zu bringen. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit kombiniert und dein Leben verändert sich:

Dein Heiratsantrag wird angenommen.

Du erhältst den Kredit für deine Unternehmensgründung.

Dein Bruder verzeiht dir.

Der Streit geht glimpflich aus.

Natürlich spielen Mimik, Gestik, energetische Präsenz und äußeres Erscheinungsbild in der Kommunikation auch eine wichtige Rolle. Doch oft ist es die Kombination der verschiedenen Kommunikationskanälen mit Sprache, die magische Momente schafft.

Worte können verbinden oder trennen. Leben retten oder zerstören. Worte sind eines der mächtigsten Werkzeuge, die dir bei deiner Reise durchs Leben zur Verfügung stehen.

Wir und die deutsche Sprache – eine zögerliche Liebe

5,3 Millionen Worte hat die deutsche Sprache. 300.000 bis 500.000 Worte in der Grundform. Davon beherrscht der Durchschnittsdeutsche nur rund 12.000–16.000 Wörter. Schade.

Wir können viel klarer, treffender und authentischer in Verbindung treten, wenn wir über unsere sprachlichen Grenzen hinausschauen und unseren Wortschatz nutzen würden. Die Sprache bietet uns da einen Schatz an, den wir einfach ungenutzt liegen lassen.

Wie du die richtigen Worte für deine Gefühle findest

In welchen Situationen würdest du dich gerne besser ausdrücken können? Wann haben dir zuletzt die richtigen Worte gefehlt?

Vor allem, wenn wir über Gefühle reden, befinden wir uns meist schnell auf sprachlich sehr dünnem Eis. Ich kenne das. Dabei erlaubt die deutsche Sprache anders als das Englische, das gefühlt jedes Wort mit zehn Bedeutungen auflädt, eine sehr detailgenaue Beschreibung. In der Gewaltfreien Kommunikation wird teilweise mit Wortlisten gearbeitet. Ich finde sie sehr hilfreich. Denn in dem Maß, in dem ich Worte im Bewusstsein habe, erweitert sich auch das Spektrum meines Erlebens.

GfK-Listen zur Beschreibung von Gefühlen

Wie du deinen sprachlichen Werkzeugkoffer aufrüstest

Nicht nur Gefühle verdienen Eloquenz (gilt das auch schon als aussterbendes Wort?). Da ich immer mehr den Eindruck habe, die Vielfalt der Sprache nimmt ab, säe ich seit neuestem in Vergessenheit geratene Worte wieder aus. Habe ich den Verstand verloren? Nein. Ich mache einfach gerne Streifzüge durch den Duden und dort finde ich immer wieder Worte, die ich noch nie oder schon lange nicht mehr gehört habe.

Worte, die oft viel präziser und treffender sind als alternative Begriffe, die ich bisher verwendet habe. Manchmal klingen sie auch einfach schön oder sind kurios und ich verliebe mich. Dann will ich sie natürlich auch retten.

Versunkene Wortschätze, die uns fehlen werden

Betrüblich, ostentativ, krude und Pamphlet standen da schon auf meiner Liste, der in Vergessenheit geratenen Begriffe und wurden in meinen Dialogen ausgesät. Das Manöver hat einen doppelten Nutzen.

Es macht mir nicht nur Spaß zu sehen, wie Freunde und Kollegen, manche Worte übernehmen, sondern über die Fundstücke hinaus vergegenwärtige ich mir bei meinen Streifzügen durch die Untiefen des deutschen Wortschatzes auch nochmal manche sprachlichen Zweifelsfälle. 

Sprenge deine sprachlichen Grenzen in 3 Schritten

Wer Fast Food konsumiert, hat keinen fitten Körper. Das gleiche gilt für die eigenen sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten. Also ernähre dein Hirn mit wertvollen Worten und du wirst beobachten können, wie sich deine Beziehungen verändern.

  • Mache Wortsafaris und such Orte auf, in denen deine sprachlichen Grenzen herausgefordert werden: Lies politische Magazine, schau Nachrichten, lies Sachbücher, zu Themen, mit denen du dich noch nicht näher beschäftigt hast, geh in Debattierclubs, besuch Konferenzen etc. Die Möglichkeiten sind riesig.
  • Fang an, neue Worte, die dir besonders gefallen, aus deinem täglichen Wortkonsum herauszufiltern, dir an einem zentralen Ort zu notieren
  • Probier nach Lust und Laune neue Worte aus. Frauen dürfen sich ans Shoppen und das Ausführen neuer Kleider erinnern.

Bereit für eine Wortschatz-Weltreise?

Manchmal gerät Sprache dann doch an ihre Grenzen. Wo die deutsche Sprache überall Lücken hat, fällt besonders gut beim Blick von außen auf. Denn je nach Kultur existieren wenige oder viele Worte für bestimmtes Erleben. Hast du Lust auf eine etwas andere Weltreise? Dann empfehle ich dir  The Book of Human Emotions: From Ambiguphobia to Umpty — 154 Words from Around the World for How We Feel.

Wenn keine Worte richtig beschreiben können, was du sagen willst

Für manches Erleben gibt es nicht die richtigen Worte. In keiner Sprache. Das ist normal und dann hilft es kreativ zu werden. Zum Glück haben wir noch andere Ausdrucksmöglichkeiten neben den Worten. Oder wie wäre es, wenn du einfach dein eigens Wort kreierst? Denn wer sagt, dass das nicht erlaubt ist?

Die Sprache lebt. Welche kreativen, verrückten und manchmal sogar richtig nützlichen Worterfindungen entstehen, kannst du zum Beispiel im Buch Wortschatz: 698 neue Worte für alle Lebenslagen von Sascha Lobo nachlesen oder du schaust dir zur Inspiration den TED Talk von John Koenig an.

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2 Kommentare

  1. gedankennomade sagt

    Lieber Paul,

    Mehrfach interessanter Artikel:

    1) Wir reisen mehr, haben danke FB und Co mehr Kontakte, aber wie tief sind unsere Beziehungen noch?
    – Ich denke mir, dass ich nur noch sehr wenige tiefe Beziehungen habe. Und das obwohl ich als Leistungssportler und Gedankennomade so oft den Wohnort und mein Umfeld wechsle und jedes Jahr viel Zeit mit neuen Leuten verbringe … Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, ob das wirklich sinnvoll ist, wie ich es mit den „Kollegen“ halte …

    2) Die deutsche Sprache:
    Öfter habe ich schon gehört, dass unsere Sprache mehr Möglichkeiten bietet, sich treffend auszudrücken, als viele andere. Aber ist das wirklich so? Wie kann man das vergleichen? Am Umfang der Vokabeln, die es in einer Sprache gibt? Hat gewähltes Ausdrücken nicht einfach mit dem Bildungsgrad zu tun? Beziehungsweise – so wie du es als Ziel beschreibst – damit, wie offen man ist, neue Wörter in den eigenen Wortschatz einzubauen? Bietet die Deutsche Sprache wirklich mehr Möglichkeiten oder ist das nur so ein Mythos, der gern gebraucht wird von germanophilen?

    3) Gefühle beschreiben:
    Ja, es ist wirklich schön, wenn man auf Menschen trifft, die so richtig toll beschreiben können, was sie wann gefühlt haben. Und auch hier ist ein guter Wortschatz gefragt. Ich kann mich noch erinnern als die Mutter meines besten Kindheitfreundes ihn und mich damals (wir waren 10 oder 11) aufgefordert hat, doch nicht alles als „geil“ oder „scheiße“ zu bezeichnen. Und ja, wir hatten tatsächlich nur mehr zwei Adjektive parat, um uns auszudrücken. Schönes, Entzückendes, Aufregendes, Verblüffendes war „geil“, Schmerzendes, Enttäuschendes, Hässliches, Verbocktes war „scheiße“ … Und damit war genug. Wir verstanden seine Mutter damals noch nicht. Weil cooler war unser duales System. Aber jetzt denk ich mir, dass ich die schöne Sprache, die mir meine Mutter beigebracht hatte in der Kindheit, behalten und ausbauen hätte sollen in meiner Kindheit und Jugend anstatt dem Allerwelts-Basis-Slang zu verfallen …

    So viel meine Gedanken zu deinem tollen Beitrag.
    Danke dir,
    Philipp

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