Warum Blogger ihrer Angst vor der Veröffentlichung neu begegnen sollten

Bloggen ist eine großartige Sache. Du kannst viel über dich lernen. Eine Lernchance lassen allerdings viele Blogger ungenutzt. Sie liegt in der Angst, kurz bevor wir den Veröffentlichen-Button klicken. Wie du mit dieser Angst umgehst, könnte nicht weniger als deine Art zu leben verändern. 

Bloggen ist eine Spielart des Schreibens, die ich immer mehr zu schätzen weiß. Ben hat seine Learnings in diesem Video einmal schön beschrieben und auch Raphaels Artikel zeigt, was Bloggen für den Schreibenden bewirken kann.

Warum Bloggen ein Katalysator für persönliches Wachstum ist

Wer regelmäßig schreibt, veröffentlicht und sich für Feedback öffnet, kann persönliches Wachstum kaum verhindern. Warum bloggen so wirksam für persönliches Wachstum ist? Es berührt viele Ebenen. Hier ein paar schlagkräftige Argumente für dich, mit dem Bloggen anzufangen oder es wieder aufzunehmen, falls deine Blogroutine etwas eingeschlafen ist:

  • Da ist zum einen der ganz praktische Lerneffekt, wenn du nicht nur viel schreibst, sondern dein Tun auch reflektierst. Malcolm Gladwill spricht von 10.000 Stunden reflektierter Übung bis bis zur Exzellenz.
  • Da ist aber auch deine gestärkte Disziplin: Wenn du dein vorgenommenes Pensum an Blogposts und To Dos rund um das Bloggen einhältst, stärkst du deine Selbstwirksamkeit. Du hast das Gefühl, die Kontrolle über dein Leben zu haben, es lenken zu können. Du sammelst Erfolgserlebnisse und dieses Selbstvertrauen strahlt ganz automatisch auch auf andere Lebensbereiche aus.
  • Und nicht zuletzt schafft die Online-Veröffentlichung die Möglichkeit, dass du dich mit Rückmeldungen von Lesern auseinandersetzt – mit positiven wie negativen. Du erhältst ergänzende Informationen, neue Denkanstöße und lernst deine Meinung und deine Stimme zu finden und zu behaupten. Was für Tolkien die Inklings waren, kann für dich deine Blogcommunity werden.  

Wenn du regelmäßig bloggst und ich kann das nur empfehlen, wird dir die Angst früher oder später begegnen. 

Veröffentlichen ist kein Sieg über die Angst

Wir haben eine Idee. Wir schreiben. Wir schauen auf den fertigen Text. Und dann überfällt uns der Zweifel, die Unsicherheit, ob unser Text gut genug ist. Wir als Blogger und Autoren gut genug sind. Da ist der Zweifel. Da ist die Angst sich zu blamieren. Und ganz tief darunter auch die Furcht, deswegen ausgegrenzt zu werden, nicht (zum Kreis der erfolgreichen Blogger) dazuzugehören. Das Grundbedürfnis nach Liebe und Verbindung ist in jedem von uns, egal wie sehr wir unser Selbstbewusstsein poliert haben.

Wie gehen wir also mit dieser Angst um?

Es gibt zwei Gruppen von Bloggern, die einen, die sich von ihrer Angst lähmen und sich mundtot machen lassen und diese Texte nicht veröffentlichen. Sie hören auf ihre Angst. Kein empfehlenswerter Weg. Die anderen, und das scheint mir eine wachsende Zahl von Bloggern, sind dem Mythos aufgesessen, dass diese Angst um jeden Preis besiegt werden muss. 

Das Klicken auf den Veröffentlichen-Button wird als Lösung, als Sieg über die Angst propagiert. James Altucher hat dazu einmal einen sehr erfolgreichen Blogpost geschrieben, der wohl in einigen Bloggerkreisen zur Pflichtlektüre gehört: Ein Artikel, dessen Veröffentlichung dir nicht etwas Angst macht, ist kein guter Artikel. So sein Tenor. Ich hatte eine Zeit, in der ich genau so gedacht habe.

Noch ein wenig mehr Selbstoffenbarung in die Einleitung rein und erschreckend selbstkritische Reflexionen über die eigenen beruflichen Niederlagen in die folgenden Absätze. Jetzt gruselte mich die Vorstellung, wer solche privaten Gedanken lesen könnte und wie die Reaktion wohl ausfallen würden, dann doch. Zack, ehe ich es mir anders überlege. Raus war der Text. Und ich genoss das schnelle Glücksgefühl, mich nicht von meiner Angst kleinhalten zu lassen. Jede Woche jagte ich so einem (vermeintlichen) Sieg hinterher. Doch dieser Sieg ist oberflächlich und kurzfristig.

Es gibt einen dritten Weg zwischen dem Nicht-Veröffentlichen aus Angst und dem heroischen Klicken des Veröffentlichen-Buttons im Namen der persönlichen Weiterentwicklung. Einen, der dich wirklich wachsen lässt. Ich lade dich zu einem Gedankenexperiment ein.

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Wie du die Angst vor der Veröffentlichung wirklich zum Wachsen nutzt

Was wäre, wenn du dich einmal zurücklehnst, wenn die Angst in dir hochkriecht, und sie nicht als Gegner und Feind betrachtest, den es zu besiegen gilt, sondern als guten Freund, der dich besucht und dich erinnert, dir einen Moment Zeit zu nehmen?

Denn was ist so falsch daran, nach getaner Arbeit noch einmal tief durchatmen, sich auf sich selbst zu besinnen und den eigenen Text kritisch mit einigen wichtigen Fragen zu konfrontieren? Zum Beispiel diesen:

  1. Bin ich mit diesem Text zufrieden? Sagt er, so gut wie es gerade möglich ist, was ich sagen will?
  2. Möchte ich überhaupt, dass dieser Text von anderen gelesen, bewertet, interpretiert wird oder war es vor allem für mich persönlich wichtig, diesen Text zu schreiben und ist sein Wert vielleicht gar nicht an eine Veröffentlichung gebunden?
  3. Ist jetzt ein stimmiger Zeitpunkt den Text zu veröffentlichen oder darf ich mir Zeit geben, bis sich meine Intuition und mein Verstand geeinigt haben, was mit diesem Text geschehen soll: Ob er so bleiben darf oder überarbeitet werden soll, ob er jetzt oder erst später veröffentlicht werden will?
  4. Wie gut halte ich den Gedanken aus, dass der Artikel überhaupt nicht veröffentlicht wird? Warum ist mir die Veröffentlichung wirklich so wichtig? Suche ich Anerkennung in Form von Klicks und Likes oder geht es mir tatsächlich um das Thema?

Es ist gut seine Komfortzone zu verlassen. Es ist gut, sich zu überwinden. Aber manchmal ist es auch wichtig, innezuhalten. Wie Sven Lennartz in seinem Artikel über die Zweifel kurz vor der Veröffentlichung sagt: “Zweifel sind Reichtümer.” Wir nehmen uns nur viel zu selten Zeit, diese auch zu entdecken.  

Angst ist dein Freund und Freunde lässt man ausreden

Die Angst wird in Bloggerkreisen gerne zum Gradmesser für die Qualität eines Textes erhoben. Angst kann ein Indikator sein, dass wir uns in unseren Texten verletzlich gezeigt haben, dass wir etwas gewagt haben, authentisch waren, uns dieses Thema am Herzen liegt. Trotzdem gibt es keine einfache Gleichung: Der Wert eines Textes steigt nicht proportional zum Grad der Angst, die der Schreibende vor dem Veröffentlichen erlebt.

Du kannst einen großartigen, wertvollen Artikel veröffentlichen und dabei glücklich und voll Vertrauen in dir ruhen.

Wenn du mit etwas Abstand auf deinen Text schaust. Dann sei so mutig und hör der Angst zumindest hin und wieder zu. Denn Angst ist kein langweiliger Besuch. Wenn wir ab und zu nicht (sofort) auf Veröffentlichen klicken würden, sondern uns Zeit nähmen für unseren guten Freund Angst, wir können enorm viel lernen aus diesen inneren Dialogen.

Du sollst nicht auf deine Angst hören, sondern ihr nur hin und wieder mal zuhören. Das ist ein Unterschied. Einer der Übung erfordert. Aber einer, der deine Beziehung zu dir grundlegend verändern und deine Art zu schreiben und zu leben bereichern kann.

Wie gehst du mit der Angst vor dem Veröffentlichen um?

 

Weitere interessante Artikel zum Umgang mit der Angst vor dem Veröffentlichen:

 

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8 Comments Warum Blogger ihrer Angst vor der Veröffentlichung neu begegnen sollten

  1. Carlos

    Interessanter Artikel…
    Ich bin beim Bloggen immer noch hin und her gerissen die eigenen Posts zu veröffentlichen. Nach der ersten Version raus zu hauen, um die Angst so ein Schnäppchen zu schlagen, bis zum 30ten Umbauen des Artikels mit der Angst was falsch zu machen.

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    1. Paul

      Hey Carlos, das kenn ich gut. Vielleicht probierst du mal den sanften Mittelweg oder du schreibst deinen Dialog mit der Angst mal auf, ganz unabhängig von einer Veröffentlichung. 🙂

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  2. Katy

    Danke für den interessanten Artikel. Als Autorin schreibe ich regelmäßig Blogartikel. Angst, sie zu veröffentlichen habe ich nicht, da ich Themen wähle, hinter denen ich 100%-tig stehe.

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    1. Paul

      Danke fürs Lesen! Das ist doch super, dass du so selbstbewusst hinter deinen Texten stehst. Man muss nicht jede Angst haben ;). VG!

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  3. Alexander Hammerschmied

    Hi Paul!
    Ich sehe das ähnlich wie du mit dem Veröffentlichen und der eigenen Angst davor. Meine Frau und ich sprechen oft über unsere Artikel lange bevor wir diese veröffentlichen. Da kann es auch zu intensiveren Diskussionen über Ausdruck im Text etc. kommen. Ich glaube, dass auch beim Bloggen ein entsprechendes Lektorat wichtig ist. Viele Texte die ich lese, sind gedanklich sehr wertvoll, leiden jedoch unter mangelndem Ausdruck und unnötiger Redundanz, nur um auf die „empfohlene Textlänge“ für Google und Co zu kommen. Geschriebenes unterscheidet sich ja genau dadurch von Gesprochenem. Sonst könnten ja alle Blogger Podcasts machen anstatt zu schreiben (ohne Script versteht sich).
    LG und weiter so!
    Alex

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    1. Paul

      Hi Alex,
      danke fürs Vorbeischauen! Absolut, wenn sich jemand Gedanken gemacht hat, wie er Inhalte vermitteln will und dann auch noch Wichtiges komprimiert vermittelt, hat das eine ganz andere Qualität als ein spontanes Podcast. Zwei Welten. Beim Podcasten bleib ich allerdings lieber Konsument ;).
      Viele Grüße und gute Schreibzeiten

      Paul

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  4. Anke

    Kenn ich, auch schon öfter durch, trotzdem blog ich weiter auf meine Art, intuitiv, was gerade aktuell ist im Moment, tief, weit, mutig und weiterwachsend. 🙂

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