Warum ungelebte Kreativität gefährlich ist

Du findest oft keine Zeit für deine kreativen Projekte? Hättest längst dein Buchprojekt durchziehen wollen? Deine Schreibgewohnheit geht im Alltag unter? Ändere etwas! Denn Kreativität, die du nicht ins Leben lässt, wendet sich gegen dich.

Wir sind alle kreative Wesen. Vielleicht dachtest du, wenn Schreiben nicht dein Brotjob ist, dann muss es eben zurückstehen. Es gibt Wichtigeres in deinem Leben. Den Job. Deinen Partner.

“Wenn du am Leben bist, dann bist du eine kreative Person.” Elizabeth Gilbert

In den letzten drei Jahren habe ich mich sechs Mal auf den OP-Tisch gelegt. Irgendwann zwischen Operation 2 und 3 hatte ich aufgehört zu schreiben. Mittlerweile bin ich wieder in einem halbwegs normalen Leben angekommen und zum Schreiben zurückgekehrt und ich weiß heute, dass ich mir die Zeit hätte leichter gemacht, hätte ich weitergeschrieben. Stattdessen dachte ich, ich muss meine Kräfte bündeln. Es gibt Wichtigeres. Ein Irrtum.

Um es mit Elizabeth Gilbert zu sagen: “Kreativität nicht auszudrücken, treibt Menschen in den Wahnsinn.”

Wie du dir schadest, wenn du deine Kreativität nicht lebst

Nein, ich bin nicht wahnsinnig geworden, in den Jahren in denen ich – zumindest nicht mehr aus purem Spaß an der Freude – geschrieben habe. Aber ich habe mich selbst verletzt. Meiner Seele ihre Wellnessoase genommen, als sie sie besonders dringend gebraucht hätte. Vielleicht hätte mich der Wahnsinn noch geholt, wer weiß.

Vielleicht hast du es selbst schon erlebt: Es gibt diesen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen der eigenen psychischen Gesundheit und dem kreativen Prozess. Wenn die kreative Arbeit, aus welchen Gründen auch immer, zum Stillstand kommt, hat das nie gute Auswirkungen auf das restlichen Leben.

Verletzlichkeitsforscherin und TED-Legende Brené Brown gehört zu den wenigen, die dieses Thema immer wieder ansprechen. Nicht gelebte Kreativität führt zu Trauer, Be- und Abwertung und Wut.

“Unused creativity is dangerous. It turns into grief, judgement and rage, it’s poison.”   – Brené Brown

Du kannst eine Weile dein Herzensprojekt vor dir her schieben. Aber bitte nicht zu lange! Erst geschieht es ganz subtil. Du bekommst etwas verbissenes, kannst die wenigen freien Momente nicht mehr wie bisher genießen, du fängst an an dir zu zweifeln.  Andere schaffen es doch auch! Und klammheimlich hat sich in deinem Kopf eine wütende und herzlose Combo breit gemacht, dir dich verurteilt, weil du es nicht schaffst, das Einzigartige, das du in die Welt bringen könntest, gegen alle Widerstände zum Ausruck zu bringen. Und dieser Miesmacherverein wird sich bei immer mehr deiner Pläne zu Wort melden und du schrumpfst innerlich Zentimeter für Zentimeter, ohne es zunächst überhaupt zu bemerken…

Seit ich wieder regelmäßig mit Stift und Papier meine Welt sortiere, ist selbige sogar in ihren düstersten Momenten für mich erträglicher. Vor allem aber freut sich mein Umfeld. Denn ich bin ein besserer Mensch, wenn ich schreibe.

Um wieder die großartige Elizabeth Gilbert zu zitieren:

“Kreativität kann nicht zu Tode vernachlässigt werden. Zumindest nicht ohne einen wesentlichen Teil deiner Persönlichkeit abzutöten und deine mentale Gesundheit gleich mit in den Abgrund zu reißen.”

Manchmal ist Fühlen so schmerzhaft, dass wir es ausschalten. Schreiben ist mein Kommunikationskanal zum Fühlen und ich war kein angenehmer und vor allem kein sehr glücklicher Zeitgenosse, als ich nicht für mich geschrieben habe. Das Ausmaß, in dem Schreiben und meine geistige Gesundheit zusammenhängen, ist mir leider erst im Nachhinein richtig klar geworden. Mach nicht den gleichen Fehler!

Warum lebst du deine Kreativität nicht?

Kümmere dich darum, den Knoten deiner Kreativität zu lösen. Also, warum bist du nicht kreativ? Diese Frage kannst du nur für dich ganz individuell beantworten. Aber es gibt einige Erklärungen, die immer wieder vorgebracht werden, wenn es darum geht Kreativität nicht ausleben zu können.

Die Top 5 der Begründungen für ungelebte Kreativität

#1 Ich habe keine Zeit

Deine geistige Gesundheit sollte es dir wert sein, zumindest kleine kreative Inseln in deinen Tag einzubauen. Du musst dich nicht für 2 Wochen in einer Hütte einschließen und einen Roman schreiben. Was wäre mit einer halben Stunde am Abend statt der zweiten Folge deiner Lieblingsserie?

#2 Mir fehlt das Geld

Kann das beim Schreiben überhaupt eine Ausrede sein? Schreiben lernt man am besten durch Schreiben. Du brauchst keine teuren Bücher oder Kurse kaufen. Lies viel. Im Zweifel kostenlos online oder leih dir Bücher. Auch Bibliotheken existieren in der heutigen Zeit noch.

#3 Ich weiß nicht, wie

Ein berechtigter Einwand. Aber auch hier: Übung macht den Meister. Es gibt in vielen Städten auch Schreibwerkstätten, in denen sich angehende Autoren austauschen. Die Teilnahme ist in der Regel nicht mit hohen Kosten verbunden. Ein weiterer Vorteil: Eine solche Gemeinschaft schafft zusätzlich Verbindlichkeit und eine gewisse Routine und die tut der kreativen Arbeit immer gut.

#4 Ich bin ich nicht gut genug

Wofür? Willst du den Pulitzer-Preis gewinnen? Bitte schraub deine Ansprüche für den Anfang herunter und geh ein wenig entspannter an die Sache heran. Es geht darum Spaß zu haben! Außerdem: Wer sagt, dass du nicht alles erreichen kannst, was du dir vornimmst? Da hat sich ein fieser Glaubenssatz bei dir eingenistet, den du loswerden solltest…aber gib deiner Kreativität Zeit. Du läufst schließlich auch nicht untrainiert einen Marathon, oder?

#5 Ich habe Angst, zu scheitern

Darum ging es eigentlich auch schon in Grund 4. Die Angst. Wenn du ein Herzensprojekt hast, ist das doch großartig. Lass die Inspiration ihre Arbeit machen und hilf ihr, so gut du kannst. Mehr kannst du nicht tun. Wenn du scheiterst, geht die Welt auch nicht unter und wenn du dich mit dieser Haltung entspannt zurücklehnst, wartet die nächste gute (Schreib-)Idee schon hinter der nächsten Ecke auf dich. Denn es gibt mehr Ideen da draußen, als du in deinem Leben jemals umsetzen kannst. Du musst nur deine Ideenmaschine gut pflegen.

Fazit

Du merkst, die Gründe, warum du deinen Wunsch nach kreativen Abenteuern bisher vernachlässigt hast, lassen sich aus dem Weg räumen. Dein Grund ist keine unüberwindbare Hürde. Bitte nimm dir die Zeit, ihn aus dem Weg zu räumen. Die Welt braucht dich in deiner ganzen Kraft und dafür brauchst du die Zeit, um deine Kreativität zu leben.

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6 Comments Warum ungelebte Kreativität gefährlich ist

  1. dasbuchschaufenster

    Echt tolle Hilfen, die so manch einer/eine mal etwas genauer anschauen sollte. Habe ich direkt gelesen und finde sie gut. Verlinke ich gerne. Schreib weiter deine Hilfen und hole noch mehr aus ihren Gründen heraus, warum sie glauben, dass sie nicht schreiben können, nicht kreativ sind, keine Erfolg haben können. Danke

    Reply
    1. Paul

      Danke für deinen motivierenden Kommentar! Auf die einzelnen Gründe, die uns oft am Schreiben hindern, werde ich in zukünftigen Artikeln noch genauer eingehen. Danke für die Anregung. Dir weiter viel Spaß mit dem Schreiben!

      Reply
  2. Michel Plaga

    Großartiger Beitrag. Habe deinen Blog durch „Zufall“ entdeckt. Spricht mich sehr an.

    „Wenn du am Leben bist, dann bist du eine kreative Person.“ Diesen Satz hätte ich vor 15 Jahren noch nicht geglaubt. Jetzt ist mir der Wert und die Macht der Kreativität bewusst.

    Ich schreibe jeden Tag, direkt nach dem Aufstehen an meinen Morgenseiten. Diese Übung habe ich damals im Buch von Julia Cameron gelesen. Und es tut wirklich gut. Man kann sich wirklich vieles von der Seele schreiben.

    Danke für diesen tollen Artikel. Er inspiriert mich dazu, noch tiefer in meine Kreativität eintauchen zu wollen.

    Gruß, Michel

    Reply
    1. Paul

      Hi Michel, vielen Dank für die schönen Worte! Die Morgenseiten sind wirklich eine extrem hilfreiche Sache. Freue mich, dass du die Fraktion der männlichen Schreiber hier stärkst und mein Text dich inspirieren konnte. 🙂 Da schreibt es sich gleich motivierter weiter. Gruß, Paul

      Reply
  3. Dori

    Hallo Paul,
    deine Headline ist mir sofort ins Auge gestochen, weil ich durch die letzten Monate erfahren habe, wie wichtig die eigene Kreativität und Zeit für sich selbst ist. Ich habe durch meinen Blog, das damit verbundene Schreiben und die Bildbearbeitung gelernt, wie sehr ich dadurch abschalten kann und mir Gutes tue. Ich genieße es, meinen Blog zu gestalten und mich darin zu entfalten. Nur leider bemerke ich in den letzten Monaten wie sehr mir die Zeit dazu fehlt, da ich momentan beruflich immer 11 Stunden/Tag eingedeckt bin und viel weniger Zeit dafür finde. Nicht nur schade sondern auch wirklich gefährlich, Gefährlich für meine Psyche.
    Dein Artikel hat mich wach gerüttelt und ich muss einfach einen Weg finden, meine Leidenschaft weiter zu leben und wieder mehr Zeit zu finden. Wo ein Wille, da ein Weg.
    Liebe Dank Paul und schöne Grüße aus dem Wunderland
    Dori

    Reply
    1. Paul

      Hallo Dori, vielen Dank für deinen Kommentar und ja, such dir die Zeit unbedingt! Freut mich, wenn der Artikel dich zur richtigen Zeit gefunden hat :). Viele Grüße, Paul

      Reply

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