Spiritualität & Selbsterkenntnis

Warum es gut ist, emotionale Tiefs auszusitzen

Schattenseiten Soul Journaling

Manchmal ist alles zu viel. Wir alle haben diese Momente, in denen uns unser Leben über den Kopf wächst. Es uns die Füße unter dem Boden wegreißt. Manchmal braucht gar keine große Katastrophe als Auslöser, manchmal ist da einfach der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und unsere Gefühlswelt verdunkelt sich. Und weißt du was?

Das ist ok. 

Manchmal ist der schnellste Weg aus dem emotionalen Tief, sich einfach erstmal mitten hinein zu begeben. Nicht sofort nach Lösungen zu suchen. Nicht sofort wegmachen zu wollen. Nicht sofort optimieren zu wollen.

Wir sind viel zu oft mental in unserem Jobmodus gefangen. Da geht es um Lösungen, um das schnelle Abhaken, um das Erledigen. Doch unsere Psyche funktioniert nach anderen Regeln. Wenn du dich um dein Glück und deine emotionale Gesundheit kümmern willst, dann schalte den Businessmodus aus. Deine Stimmung ist kein Punkt auf deiner viel zu langen To-Do-Liste.

Wie du möglichst schnell wieder aus emotionalen Tälern und Stimmungsturbulenzen herausfindest? Indem du still wirst und inne hältst. So paradox es klingt. Denn die Langsamkeit macht es möglich, dass wir genauer hinsehen und erkennen, womit wir es wirklich zu tun haben. Das Tempo in unserem Alltag ist oft so hoch, dass wir nur noch an der Oberfläche wahrnehmen.

Du kannst nicht die Rosinen herauspicken

Ich rede häufig davon, welche Wunder lösungsorientiertes Denken bewirken kann, wie das kontinuierliche Neuausrichten der eigenen Gedanken auf das Positive und Gelungene die Wirklichkeit verändern kann. Aber heute will ich dich ermutigen, das Schmerzhafte und Schwere in deinem Leben anzusehen. Denn nur indem wir es leugnen, verschwindet es nicht. Es ist ein natürlicher Teil des Lebens.

Statt dich abzulenken, zu ignorieren oder in kopflosen Aktionismus zu verfallen und das Tempo einfach weiter anzuziehen, lade ich dich ein ein paar Gänge runterzuschalten, um dir mit voller Präsenz anzusehen, wie es in dir gerade aussieht, auch wenn dir diese Ansicht gerade so ganz und gar nicht gefällt.

Zum Leben gehört die ganze Bandbreite an Emotionen. Auch die vermeintlich negativen. Wer versucht, nur die Rosinen herauszupicken, macht sich etwas vor. Wir können Emotionen nicht selektiv betäuben. Wir sind entweder lebendig, aber verletzlich oder gefühlstaub. Manchmal mag der Schmerz so groß sein, dass diese zweite Variante verlockend erscheint, aber weißt du was: Je genauer du hinsiehst, desto weniger furchteinflößend sind diese Täler und Abgründe. Das habe ich mehr als einmal erleben dürfen.

Wie du deinen Schattenseiten ausleuchtest

Wenn wir uns schreibend mit diesen Schattenseiten in unserem Leben beschäftigen, dann wird echtes persönliches Wachstum möglich. Ich lade dich ein diese Art des Soul Journaling heute auszuprobieren. 

Bist du mutig genug, eine Liste zu schreiben, was in dir und deinem Leben gerade nicht gut ist? Was dich Wut, Angst oder Trauer fühlen lässt? Was deine Gedanken vernebelt und deinen Stresslevel in die Höhe treibt?

Vielleicht magst du zur Einstimmung zuerst eine kurze Meditation machen, in dem du ein paar Minuten lang deinen Atem beobachtest oder einen Body Scan machst. Nimm dir dann Zeit, um deine Antworten auf die Fragen aufzuschreiben, aber sei nicht wählerisch. Nimm die Worte, die dir dein Herz und dein Verstand intuitiv anbieten und hinterfrage nicht. Vielleicht gibst du dir 10 Minuten, lass deine Intuition das Ende setzen und nicht die Stoppuhr.

Und dann nimm dir Zeit, um mit diesem Text zu sitzen. Fang an, deine Emotionen buchstäblich auszusitzen. Lass sie kommen und gehen und beobachte sie. Ja, auch das gehört gerade in dein Leben. Sitz so lange, wie sich stimmig anfühlt. Häufig verändern sich die Gefühle während des Sitzens: Sie verstärken sich oder ebben ab, sie verwandeln sich in neue Gefühle. Sie bringen völlig neue Gedanken hervor oder münden in absoluter Stille. Was auch immer geschieht, ist ok. Du bist da, um anzuerkennen und zu fühlen.

Mute dir zu, erwachsen zu sein

Was ignoriert wird, verschafft sich nur umso lauter Gehör. Daher ist es gut, sich ab und zu zuzutrauen und zuzumuten die eigenen Schattenseiten zu betrachten. Wer sich ausschließlich an positiven Affirmationen festklammert, unterschätzt die eigenen Fähigkeiten. Die eigenen Schatten anzusehen, hat nichts Destruktives an sich, sondern ist ein erwachsener Umgang mit den Herausforderungen des Lebens und dieser Umgang ermöglicht persönliches Wachstum.

Vor lauter Streben nach guten Gefühlen vergessen wir manchmal, dass jedes schmerzhaften Empfinden eine Funktion hat, auch wenn wir sie nicht immer gleich erkennen. Die Evolution hat sich etwas dabei gedacht uns mit diesen Emotionen auszustatten. Kannst du deine Emotionen als weise Lebensratgeber wertschätzen? 

Bist du mutig genug, dich hinzusetzen und den Schatz in deinem Schatten zu entdecken?

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7 Kommentare

      • Petra sagt

        Schön, dass du mich daran erinnerst auch mit meinen ,,Tiefs,, zu sein. Sie ,,auszusitzen, sie bewusst wahrzunehmen. Die inneren Turbulenzen beruhigen sich dadurch wahrnehmbar bei mir. Perspektiven, Wertigkeiten verändern sich. Destruktive Denkweisen lösen sich auf. Es entsteht eine angenehme innere Ruhe in mir. Es fühlt sich sehr friedlich an. Wie nach dem intuitiven Schreiben für mich auch. Die Gedanken hören danach auf um leidliche Themen zu kreisen, weil ich sie zu Papier gebracht habe. Der Kopf braucht mich nicht immer auf ein Neues mit selbigen Gedanken zu erinnern.
        Ich werde mir jetzt wieder mehr Zeit gönnen, meine innere Ruhe zu Pflegen und Gefühle ,,aus-sitzen,, ?
        Danke dir Paul

  1. Dankeschön, das war ein Beitrag, der mich sehr zum nachdenken angeregt hat. Immerhin habe ich mit “Harmonie” meine Beziehung kaputt gemacht. Ich weiß aber inzwischen, dass es auch Gewitter geben muss. ? Gruß Daniela

  2. In der heutigen Zeit, in der immer und überall “gute Laune” angesagt ist, wo Instagram und Facebook uns vorgaukeln, wie ein “happy life” auszusehen hat und dass darin niemals Traurigkeit, Wut, Verzweiflung oder Trauer existieren, da tut es einfach gut ein solches Plädoyer für “negative Emotionen” zu lesen.
    Die Schattenseiten gehören genauso zum Leben, wie die Sonnenseiten. Und, wie im wahren Leben, tut es manchmal gut, aus der Sonne in den Schatten zu gehen, um sich nicht zu verbrennen.

    • Hey Laura, schön, dass du auch die Nase voll hast von der Happy go Lucky Lüge der Social-Media-Kanäle :). Der Vergleich mit der Sonne gefällt mir. Den werde ich übernehmen. Hab eine in jeder Hinsicht angenehm sonnige Woche 😉

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