Wie Tausende anfingen, Liebesbriefe an Unbekannte zu schreiben

Krisen kennen wir alle. In der ein oder anderen Form. Der Partner verlässt dich, dein Arbeitgeber kündigt scheinbar aus heiterem Himmel, dein Arzt teilt dir eine niederschmetternde Diagnose mit… Hanna Brencher erkrankt nach ihrem Uniabschluss an einer schweren Depression. Was daraus ensteht, inspiriert. Und motiviert vielleicht auch dich, mal einen Liebesbrief an einen Unbekannten zu schreiben.

Den Schmerz in Krisensituationen kann uns niemand nehmen. Aber was hilft, ist oft, sich nicht allein zu wissen. Zu wissen, dass anderen durch dieselben Krisen gegangen sind. Dass wir geliebt werden. Das wir gut sind, so wie wir sind, trotz allem. Dass das Leben noch einen Sinn hat, auch wenn wir ihn gerade nicht sehen.

Briefe sind wundervolle Begleiter in Stunden, in denen wir ganz in unserem eigenen Schmerz versunken sind.

Briefe können echte Rettungsanker sein.

Dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin, zeigt MoreLoveLetters. Die New Yorkerin Hanna Brencher hat die Organisation gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen Briefe zu schreiben, die eine Extra-Portion Liebe, Zuversicht und Stärke brauchen können, weil sie gerade schwierige Zeiten erleben.

An die Plattform wenden sich Freunde oder Familienangehörige und schildern, warum ihr geliebter Mensch, solche Liebesbriefe brauchen könnte und jeder – wirklich jeder – kann dann anonym über die Website diesem Menschen einen Brief zukommen lassen. Moreloveletters sammelt alle und schickt dann das Bündel Liebe weiter.

Der Empfänger bekommt also nicht nur einen Brief oder eine handvoll, sondern im besten Fall ganz viele.

Wer erlebt hat, was aufrichtige Worte bewirken können, der kann sich vorstellen, welche Auswirkungen die Briefe auf das Leben des Empfängers haben können. Sie können den Anstoß geben, für den ersten Schritt aus der Verzweiflung. Für die Kraft zum Durchhalten. Für den Mut, die Perspektive zu wechseln. Ich wage zu sagen: Ein Briefbündel kann ein Leben retten.

Was mir besonders an dem Projekt gefällt: Es geht wirklich nicht darum, sich mit seinem Gutmenschentum zu profilieren. Die Briefe werden anonym verschickt und trotzdem profitieren die Schreiber. Nicht nur vom guten Gefühl geholfen zu haben.

Unsere schlimmsten Erfahrungen sind etwas Wert.

Weil wir in jedem fremden Schmerz letztlich auch unseren eigenen erkennen, wissen wir, welche Worte es braucht. Unsere schlimmsten Erfahrungen können sich hier in eine positive Kraft verwandeln. Mit jedem Brief, den wir schreiben, feiern wir auch den Sieg über unsere eigenen dunkelsten Momente. Und vor allem feiern wir die Kraft der Mitmenschlichkeit.

Wenn du auch einen Brief an einen Unbekannten schreiben möchtest, findest du alle Infos und aktuellen Briefbitten auf Moreloveletters.

Wenn du mehr über Hanna Brencher und die Geschichte von Moreloveletters erfahren willst, schau dir ihren TED-Talk an.

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