Wie du emotionale Fallgruben erkennst (und dich in 5 Minuten aus ihnen befreist)

Früher hat man Tiere in ihnen gefangen. Heute verlieren wir in ihnen unsere Zuversicht. Unser Selbstwertgefühl und unsere Handlungsfähigkeit. Fallgruben. Früher waren sie in den Boden gegraben, heute verstecken sie sich in Worten und Gedanken. Ein Erste-Hilfe-Set.

“Das ist nicht effizient. Die Zeit, uns darum zu kümmern, haben wir nicht. Das muss ein Praktikant machen, sorry, aber das wird zu teuer, wenn du das machst.” Meine Kollegin versuchte, unser Projekt sicher ins Ziel zu bringen, aber ich, ich hörte nur Kritik. Mit jedem Satz stieg mein Puls ein paar Schläge mehr in die Höhe und meine Stimmung sackte in den Keller. Die emotionale Fallgrube hatte mich direkt am Montagmorgen erwischt.

Nicht nur im Job begegnen sie jedem von uns immer wieder. Neulich saß ich mit ein paar Freunden zusammen. So langsam ist das Alter erreicht, in dem die Familienplanung bei vielen konkrete Formen annimmt. Außer bei mir, was meist in Ordnung ist. Aber manchmal führt es zu Gesprächen, die mit Fragen “Willst du eigentlich mal Kinder haben?” anfangen und mich einen großen Gefühl von Einsamkeit und Mangel enden.

Wenn dein Gehirn Alarm schlägt

Kennst du das? Ein paar Sätze, die richtigen Worte – und in deinem Hirn wird Alarm ausgelöst. Du bist auf 180. Oder willst direkt wieder ins Bett. Du findest dich plötzlich hässlich. Oder total inkompetent. Oder. Oder. Oder.

Natürlich sind wir erwachsen und geben uns diesem Gefühl nicht einfach hin. Wir haben gelernt, uns zu beherrschen. Mehr oder weniger. Viele sind darin so gut geworden, dass sie gar nicht mehr merken, welche Worte eigentlich welche Gefühle triggern.

Falls du also für deinen Geschmack etwas zu häufig aus deiner inneren Mitte gerissen wirst: Herzlichen Glückwunsch. Du fühlst. Du lebst. Deine Welt ist bunter als die der abgestumpften Arbeiterzombies.  

Wir alle haben eine Achillesferse. Wunde Punkte. Offene Flanken.

Und das ist gut so.

Trotzdem ist es natürlich nicht schön, sich in Stimmungstiefs wiederzufinden. Was kannst du also tun, um seltener in emotionalen Fallgruben hineinzustolpern?

Du kannst die Fallgruben zu einer emotionalen Hängematte umgestalten.

Das Bild hinkt ohne Frage. Was ich damit meine, ist nur eins: Worte oder Gedanken sind niemals grundsätzlich eine Fallgrube. Andere nehmen manche Aussagen zum Beispiel beiläufig hin, während du innerlich hochkochst. Es liegt also in deiner Macht, welche Bedeutung du den Worten und deinen damit verbundenen Gedanken und Gefühlen gibst.

Nehmen wir mein Beispiel von oben: Wenn ich im Kollegengespräch bei Effektivität und Optimierung nicht an Zeitdruck und Stress denke, sondern an Projekterfolg und Anerkennung, wird mein Stresslevel nicht in die Höhe schnellen, sondern ich werde das Feedback motiviert aufnehmen und bester Laune in den Arbeitstag starten.

Nicht ein Wort an sich ist eine Fallgrube, sondern unsere gedanklichen und emotionalen Verknüpfungen mit diesem Wort.

Deine bisherige Assoziation basiert auf gemachten Erfahrungen und Werten. Du sollst nicht unbedingt deine Grundüberzeugungen ändern. Was ich vorschlage ist etwas anderes: Achtsamkeit.

Achtsamkeit gibt dir die Freiheit, dich auf eine Interpretation zu konzentrieren, die für dein Wohlbefinden förderlich ist.

Sie stellt sich allerdings nicht über Nacht ein. Man muss sie trainieren. Regelmäßig. Zum Beispiel mit Schreibmeditation. Oder einer anderen Form von Meditation. Durch Phasen der Stille und Beobachtung, durch bewusstes Essen oder achtsame Gespräche.

Eine Erste-Hilfe-Strategie gegen Fallgrubenvorfälle

Dennoch gibt es ein paar Methoden, mit denen du dich schnell aus emotionalen Fallgruben befreien kannst.

Identifiziere deine größten Fallgrubenthemen

Welche Worte, Themen oder Gedanken sind bei dir echte Trigger für Stimmungstiefs?

Schaffe neue Verknüpfungen

Suche gezielt nach alternativen Assoziationen, die in dir ein gutes Gefühl und positive Bilder hervorrufen. Beispiel: Keine Familienplanung? → Fokus auf die Freiheit als Single.

Wichtig: Die menschliche Psyche ist zu komplex, als dass sie für jeden und in jedem Fall mit einer einzelnen Übung modifiziert werden kann. Im Klartext: Wenn das Neuverknüpfen für dich nicht funktioniert, ist das auch ok. Das kann sein. Dann versuch etwas anderes, zum Beispiel diesen zweiten Ansatz.

Fokussiere auf dein Gegenüber

Frage dich in der Situation: Was ist die Absicht meines Gesprächspartners? in der regel will er dich nicht bewusst zum Stolpern bringen. Was ist sein Gesprächsziel? Dieser gedankliche Check dauert in der Regel keine fünf Minuten. Fokussiere auf die gute Absicht. Beobachte, was sich in deinem Körper verändert.

Warte nicht auf den Ernstfall, sondern mache eine Bestandsaufnahme

Wenn du leicht aus dem inneren Gleichgewicht zu bringen bist, lohnt es sich, eine Woche lang einmal auf die eigenen emotionalen Trigger zu achten und diese in einem Dokument aufzuschreiben. Auf diese Weise bekommst du ein Gefühl, wo Fallgruben lauern und kannst dich mit diesen Themen gezielter auseinandersetzen.

Denn du musst nicht erst in eine Fallgrube hineinstolpern, du kannst auch ganz unabhängig davon in einer ruhigen Minute mit diesen Themen beschäftigen und eine neue Haltung zu ihnen entwickeln. Damit Gespräche immer häufiger zu emotionalen Hängematten für dich werden.

 

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7 Comments Wie du emotionale Fallgruben erkennst (und dich in 5 Minuten aus ihnen befreist)

  1. astrid

    Vorschlag drei: Fallgrube wohnlich einrichten – etwa in Form einer Kurzgeschichte.
    Beispiel Familienplanung: Ich beschreibe mir genüsslich einen „ganz normalen Tag im Leben meiner selbst gegründeten Familie“. Mit Stress, Streit, Tränen … mit sämtlichen Zutaten eben, die mich bewogen haben, mich GEGEN eine Familiengründung zu entscheiden. Oder auch anders herum: einen Tag im Leben meiner Ideal-Familie, in die ich später jederzeit bei Bedarf für ein paar Tagtraumminuten zurückkehren kann, sozusagen als eiserne Reserve für künftige Fallgrubensituationen
    Mich zur schnellen Befreiung aus der emotionalen Fallgrube umzufokussieren, scheint mir SEHR problematisch. Denn der Wunsch nach einer eigenen Familie – um im Beispiel zu bleiben – ist ja offenbar da, und indem ich ihn beiseite schiebe, elegant umkurve, vulgo: verdränge, stärke ich letzten Endes nur seine Macht. (Sicher hast du bei deinen Ratschlägen nicht unbedingt an ein Verdrängen gedacht, aber was du hier beschreibst, kommt dem Tatbestand derselben doch ziemlich nahe.) Was aber generell das Schreiben als Weg betrifft, emotionalen Fallgruben zu begegnen: Da bin ich voll bei dir. Und das Thema war es unbedingt wert, aufgegriffen zu werden.
    lG,
    astrid

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    1. Paul

      Astrid, danke für die schöne Ergänzung! Nein, verdrängen will ich auf keinen Fall empfehlen. Der Grundgedanke ist: Dinge, die ich (jetzt akut) nicht ändern kann aus einer anderen, hilfreicheren Perspektive betrachten. VG, Paul

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  2. Christiane

    Lieber Paul, ein wunderbarer Artikel. Wie du sagst: jede/r hat ihre eigenen Reiz Wörter. Ich hatte früher jedesmal einen Hals, wenn jemand sagte,ich sei eine interessante Frau. Bedeutete: aber komm mir bloß nicht zu nahe. Die Fallgruben zu identifizieren und zu bearbeiten finde ich einen tollen Ansatz. LG Christiane

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    1. Paul

      Moin Christiane, super Beispiel, dass mir noch mal vor Augen führt, wie subjektiv wir Worte mit Bedeutung füllen – und wie Komplimente manchmal auch nach hinten losgehen können. 😉 Danke fürs Lesen und VG, Paul

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  3. LebensraumFlow

    Wer in eine Fallgrube fällt, würde laut schreien und auaaaahhh rufen… Warum dann nicht auch bei verletzten Gefühlen? Gefühle sofort zu äußern ist ungewohnt, weil es uns abgewöhnt wurde.
    Langsam wieder daran gewöhnen und darüber reden… ohne den „Auslöser“ (kann ein Mensch oder ein Ding sein ;-)) anzugreifen, sondern dein Gefühl beschreiben… das macht mich jetzt ratlos weil, das macht mich traurig, was du sagst verletzt mich, ich fühle mich wie in einer Fallgrube … Damit wird die Situation sofort verändert und niemand sitzt mehr in der Falle. LG Irene

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    1. Astrid Helble

      Was ganz schlimm ist: Nachdem man es uns (schon ein paar Jahrhunderte lang) abgewöhnt hat, wird es gegenwärtig ja wieder „in“, Gefühle zu zeigen. Schwächen haben ist plötzlich sexy, die kleine Macke wirkt wie eine Art Schönheitspflästerchen wie weiland im Rokoko, Nonperfektionismus kommt an. Unter dicken Krokodilstränen bekennt man sich zu seinen Unvollkommenheiten, weil man im Karriereratgeber-Blog gelesen hat, dass das beim Publikum besser läuft als die pure smarte Tour. Und nun stehst du da und weißt nicht mehr, wem du noch glauben kannst.

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  4. LebensraumFlow

    Gefühle zu äußern ist ganz normal… schau in die Gesichter … und wer es tut weil es im Ratgeber steht versucht wenigstens etwas. Ob man sich damit wohl fühlt oder ob man sich verstellen muss um dem Ratgeber zu folgen und wieder nichts über sich selbst lernt und das was man gerne tut, steht auf einem anderen Blatt. Ich mag deine Sichtweise. Glauben tu ich nur mir selbst. Vertrauen kann ich schenken ….

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