Buchtipp: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben – ein Lebensretter in Buchform

Ein Buch an einem Tag. Das hat es bei mir bisher nicht gegeben. Matt Haig hat es mit „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ geschafft. Dass das Schreiben den Autor selbst gerettet hat, steht außer Frage. Wie viele Leben sein Buch retten wird? Fest steht: Es ist großartig und es wirkt.

Worum geht’s?

Matt Haig ist britischer Autor und das sehr erfolgreich. Bis vor wenigen Jahren war in der Öffentlichkeit nicht bekannt, dass er unter Depressionen leidet. In seinem Buch beschreibt er, wie ihn die Krankheit mit 24 Jahren zum ersten Mal in Form eines fiesen Mix aus Depression und Panikattacken traf.

Denn ja, auch wenn sich der Mythos hält, Depression sei Ausdruck von Willensschwäche und falscher Einstellung, ist sie eine Krankheit wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein gebrochenes Bein. Immer unsichtbar, nicht immer chronisch.

Matt Haig erzählt direkt, klar und trotzdem poetisch, wie er sein Leben seitdem geregelt bekommt, mal mit, mal ohne Depression, wie er seine Beziehung und seinen Beruf, die unerwarteten und erwartbaren Herausforderungen des Alltags meistert mit einem schwarzen Hund an der Seite. 

Warum lesen? #DerPragmatiker

Jeder fünfte Mensch erlebt einmal in seinem  Leben eine Depression. Die Wahrscheinlichkeit, dass du in Zukunft mit jemandem zu tun hast, der diese Krankheit hat, oder selbst irgendwann davon erwischt wirst, ist also relativ hoch. Du kannst deinem Gegenüber oder dir Schmerz ersparen, wenn du vorbereitet bist.

Selbst wenn du dich gerade keine 5 Minuten konzentrieren kannst, lies dieses Buch. Es hat Kapitel, die sogar du ohne Unterbrechung durchbekommst und du wirst danach einen neuen Blick auf die Dinge haben.

Warum lesen? #DerGutelauneleser

Das Buch lässt dich nicht selbst völlig deprimiert zurück. Im Gegenteil: Es gibt einiges zu lachen oder zumindest zu schmunzeln. Und allein das ist große Schreibkunst.

Warum lesen? #DerPathetische

In diesem Buch finden sich die besten, realistischsten Schilderungen von Depression und Panik, die ich bisher gelesen habe. Das Buch vereint gefühlvolle Innensichten mit Fakten und konkreter Hilfestellung und ist trotzdem eher Roman als Sachbuch. Es hinterlässt in keinem Fall das Gefühl überlegenen Mitleids für depressive Menschen, im besten Fall sorgt es für mehr Respekt vor und Achtsamkeit für Menschen, die sich mit dieser Krankheit herumschlagen. Es ist unterhaltsam geschrieben und in wenigen Stunden gelesen. Wenn du nur ein Buch zu diesem Thema lesen willst, dann bitte dies.

Für wen?

Für jeden, der gerade eine Depression durchlebt, weil es Matt Haig gelingt, glaubwürdig Zuversicht zu vermitteln, dass ein Leben mit Depression ein lebenswertes Leben sein kann, in dem man Spaß, Liebe und Erfolg erleben kann.

Für alle anderen, weil sie einen so tiefen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt eines an einer Depression erkrankten Menschen wohl nirgendwo sonst (genauso gut geschrieben) lesen werden.

Und sonst?

Die Kapitel sind depressionskompatibel kurz. Manche nur zwei Seiten. Es gibt also keine Ausrede sich nicht auf diesen Lebensretter in Papierform einzulassen.

Diamanten in Satzform

“Wer glaubt, depressive Menschen wollen nicht glücklich sein, irrt sich gewaltig. Sie wollen einfach nur keinen Schmerz mehr spüren.”

“Man kann depressiv und glücklich sein. Genau wie man ein trockener Alkoholiker sein kann.”

“Der Unterschied zwischen Depression und Traurigkeit ist ungefähr so groß wie zwischen wirklichem Verhungern und leichtem Appetit.”

 

Und jetzt, kaufen, lesen, ein besserer Mensch werden. 🙂

 

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