Beruf & Erfolg

Das Einzige, das du wirklich tun musst, um deine Berufung zu finden

Berufung finden

Deine Leidenschaft finden, deine Berufung leben, ein erfülltes Leben führen – noch nie gab es gefühlt so viele Kurse, Coaches und Bücher, die uns helfen wollen, Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu finden. Aber die meisten von uns brauchen weder Kurs noch Coach.

Wir müssen einfach (wieder) zum Experten im eigenen Leben werden.

Nach dem Abi habe ich angefangen Jura zu studieren. Nach einem Semester dämmerte mir, dass das eine Sackgasse war. Nach zwei weiteren Semestern saß ich mit Panikattacken beim Therapeuten. Das Studium hatte ich geschmissen. Was ich aber machen wollte, wusste ich nicht. Mit meiner zweiten Studienwahl traf ich es ziemlich gut. Die Fachkompetenz meines Therapeuten hatte damit weniger zu tun.

Wir stehen einer Flut von Beratungsangeboten gegenüber

Gerade wer viel im Netz unterwegs ist, kann den Eindruck bekommen, dass es eigentlich ganz einfach ist, die eigene Berufung zu finden, man nur eine bestimmte Strategie verfolgen muss. Diese sieht je nachdem, welchen Experten man im Netz findet, dann anders aus. Meistens ist ihre Enthüllung mit dem Kauf eines kostenpflichtigen Produkts verknüpft. Sei es einem Coaching, Kurs, Buch oder sonstigem Event. Ich sage nicht, dass diese Dienstleistungen und Produkte alle nicht hilfreich sind, sage nicht, dass überall Abzocker am Werk sind.

 

 

Aber ich beobachte einen Trend – vor allem bei Menschen in Krisensituationen – immer mehr solcher Selbsthilfe- und Coachingangebote in Anspruch zu nehmen, um doch endlich und jetzt wirklich klar, den eigenen Masterplan zu finden und ich bezweifle, dass dies der beste Weg aus der Krise, aus der Orientierungslosigkeit ist.

Was ist also die Alternative, die ich vorschlage?

Hör auf im Außen nach einer Lösung zu suchen

Du weißt also nicht,was du mit deinem Leben anstellen willst? Du hast das Gefühl, deine Leidenschaft ist dir verloren gegangen und du suchst eine berufliche Neuausrichtung? Du willst endlich den einen Grund finden, warum du hier auf diese Welt gekommen bist?

Fair enough. Du hast dir vielleicht schon einen Knoten im Kopf gegrübelt. Mach dich jetzt bereit für eine unbequeme Wahrheit: auch wenn dir dein Schädel schon schmerzt vor lauter verzweifelter Suche in deinen Hirnwindungen nach deiner Berufung.

Die Antwort auf deine Fragen wirst du nicht bei jemand anderem finden. Bei keinem Coach. In keinem Buch.

Du hast einfach am falschen Ort gesucht. Die Antwort findest du nur in dir. Das Schöne daran: Die Antwort ist längst da. Du hast sie mit deinem verkrampften Suchen nur verschreckt.

Du bist der Experte für dein Leben und niemand anders. Du brauchst keinen teuren Experten bezahlen, um deinen Weg zu erkennen.

Was kannst du tun, um deine Antworten zu finden?

Mach das Gegenteil von dem, was dir alle Welt rät. Das heißt: Hör auf immer mehr Wissen aufzusaugen, immer mehr Blogs zu lesen, immer mehr Bücher zu verschlingen und Experten-Videos zu sehen.

Werde still.

Setz dich hin. Meditiere. Regelmäßig.

Lass die Erwartung los, dass du die Antwort jetzt und am besten schon gestern finden hättest finden müssen. (Was könnte im schlimmsten Fall passieren, wenn du die Antwort nicht auf absehbare Zeit findest? In der Regel stirbst du nicht und wirst nicht obdachlos.)

Hör auf dem Leben deinen Zeitplan aufdrücken zu wollen.

Die ganze Suche bringt dich aus dem Moment. Du lebst in der Zukunft oder suchst nach Indizien für deine Berufung in der Vergangenheit. Komm zurück in den Moment.

Sei achtsam. Wo werden deine Fähigkeiten gebraucht? Bring dich ein. Die Magie des Lebens entsteht in der Begegnung mit anderen.

Lass dich von der Freude leiten. Und hör auf mit diesen großen Worten wie Leidenschaft und Berufung um dich zu werfen. Als Kind hat dir Freude und Neugier gereicht und dir ging es bestens damit. Lebe Freude und Neugier.

Höre andere, aber höre nicht zwingend auf sie. Hol dir Inspiration aber behalte deine Entscheidungsfreiheit. Dein Leben ist einzigartig. Du spielst nach deinen Regeln.

Und denke weniger. Mach mehr. Probiere aus. Du bist nie zu jung oder zu alt. Dein Leben passiert in deiner Zeit. Kultiviere Vertrauen ins Leben.

Ein unterschätzter Katalysator für innere Klarheit

Wenn du das beherzigst, kannst du dir einige Kurse und Coaches sparen. Manchmal ist es gut, sich Input von Außen zu holen. Lass dich nicht von strikten Prinzipien zurückhalten.

Eine extrem wirksame Methode, um die eigenen Antworten entstehen zu lassen und ein eher unpopulärer Persönlichkeitsbooster ist übrigens das Tagebuchschreiben. Diese regelmäßige Reflexionsgewohnheit kann Wunder wirken.

Wenn du regelmäßig über das schreibst, was dich beschäftigt, was dir Freude und Angst macht und deine Aufzeichnungen immer mal wieder durchliest, wirst du dich besser verstehen und irgendwann vielleicht den roten Faden erkennen. Wenn du schon mitten drin bist, deine Leidenschaft zu leben, ganz ohne das schmerzhafte Ringen, das quälende Abwägen, die obsessive Verzweiflung. Einfach, weil du Spaß und Neugier gefolgt bist.

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5 Kommentare

  1. Ich mag meinen Beruf an sich eigentlich ganz gerne, aber nicht die Art wie er sich entwickelt hat.
    Einen neuen Beruf zu erlernen, dafür fühle ich mich finanziell nicht sicher genug.
    Andererseits hilft es mir nicht, an einer festen Stelle fest zu halten, die mich langsam aber sicher kaputt macht.
    Wenn ich in mich hineinhöre, sind da tausend Ängste und das Wissen, dass ich diesen Job so nicht machen möchte.
    Es nicht zu ändern bringt mich an ähnliche Punkte wie dich.
    Schwierig, da im hier und jetzt zu bleiben.
    Liebe Grüße, Aletheia

  2. Hallo Paul, danke für deine Gedanken in diesem Artikel. Ich habe ihn aufmerksam gelesen und ich stimme dir zu, dass die Lösung immer in uns liegt und bereits vorhanden ist.
    Auch, dass Schreiben einen gute Möglichkeit ist um ins Hier und Jetzt zu gelangen, sich zu zentrieren und sich selbst besser kennen zu lernen.

    Ich habe dies selbst vor vielen Jahren praktiziert und daraus ist sogar ein Buch entstanden – ein Ratgeber für den Umgang mit Ängsten. Das war damals mein Hauptthema.

    Allerdings wäre ich soweit nicht gekommen, wenn ich nicht vorher in meiner Krise erkannt hätte, dass ich da selbst nicht rauskomme. Der Spiegel meiner Selbsterkenntnis war trüb, ich war aufgrund meiner Geschichte zu raffiniert geworden, so dass ich mich selbst immer ausgetrickst habe. Das Chaos in mir, mit den vielen verschiedenen Facetten meiner Selbst war einfach zu groß und da war ein Coach für mich genau die richtige Wahl. Ich habe innerlich darum gebeten, dass mir das Leben solch einen Menschen zuführt und genau so ist es dann auch geschehen. Ich habe zwei Jahre intensiv mit ihm gearbeitet und kann sagen, dass es damals das beste war, was ich tun konnte.

    Ich habe dank dieser Arbeit ein roten Faden in die Handbekommen und mittlerweile bin ich bei mir am Kern angekommen. Welch eine Wonne :-).

    Ich schreibe dir hier diesen Kommentar, weil ich der Absolutheit deiner Aussage einen Gegenpol setzen möchte. Es stimmt nicht, dass wir keine Coaches und somit Hilfe brauchen. Je schwieriger die Geschichte der Herkunft, desto größer die Unordnung in der Psyche und da gilt es sehr achtsam hinzuspüren was es braucht. Die Heilswege des Menschen sind so vielfältig wie seine Natur. Ein Rezept hätten wir zwar immer gerne, gibt es jedoch nicht.

    Herzliche Grüße
    Bianka Maria Seidl

    • Hallo Bianka, vielen Dank, dass du meinen polarisierenden Text etwas relativierst. Ich bin selbst Coach und schreibe an anderer Stelle auch, dass mir in Krisen immer zwei Elemente geholfen haben: Menschen und Schreiben. Von daher stimme ich dir unbedingt zu, dass es manchmal den professionellen Blick von außen braucht. Ich wollte hier in zugespitzter Form auf eine Entwicklung aufmerksam machen, die ich für ungut halte. Nämlich (für alles möglich) direkt externe Experten zu Hilfe zu holen und damit nicht anzuerkennen, dass letztlich wir die besten Experten für unser Leben sind.

  3. Hey Paul, da sprichst du mir sehr aus dem Herzen.

    Allerdings muss ich ergänzen, dass Stille und Ruhe für einige auch zur Qual werden kann, wenn man es nicht richtig einordnen kann. Und im schlimmsten Fall dazu, dass man sich verliert in der Leere oder in der Beliebigkeit.

    Achtsamkeit ist gut. Wird aber dann zum Problem, wenn man keinen eigenen Bewertungsmaßstab hat, das innere Gefühl für die eigene Beurteilung. Quasi der innere Kompass/Wertekanon fehlt.

    Ich hab viel mit Schülern zu tun, die ich in der Studienwahl begleite. Dabei unterstütze ich sie nur über diesen Prozess, damit sie Halt und Orientierung haben, während sie selber die Antworten für sich finden.

    Mit Achtsamkeitsübungen sind viele überfordert, sie kennen es nur von A nach B zu hetzen, oder seit Kindheit von Hobby, zu Verein etc. und gar nicht zu wissen, wieso oder ob sie es mögen.

    Es funktioniert daher sehr gut, erst ins Handeln zu kommen. Bewusst neue Dinge und bewusst alleine auszuprobieren. Zu schauen, wie man reagiert und auf sein inneres Gefühl anhand eines Beispiels zu hören. Danach reden wir drüber. Die Warum-Fragen fallen dann viel leichter zu beantworten, weil man eine aktuelle Vergleichsbasis hat. Danach funktionieren auch die Achtsamkeitsübungen. Ich muntere dazu auf ins Tätigsein und Ausprobieren zu kommen — ohne Reue.

    Ich find deinen Blog bisher super. Dieser beitrag hat mich bisher am meisten begeistert.

    Grüßken, Yasemin aka WeltenBewegerin.de aus Düsseldorf

    PS: Bielefeld gibt es nicht. 😀

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